{"id":25521,"date":"2015-01-07T12:35:40","date_gmt":"2015-01-07T11:35:40","guid":{"rendered":"http:\/\/norkhosq.net\/?p=25521"},"modified":"2015-01-07T12:37:52","modified_gmt":"2015-01-07T11:37:52","slug":"armenier-kampfen-um-anerkennung-von-genozid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norkhosq.net\/?p=25521","title":{"rendered":"Armenier k\u00e4mpfen um Anerkennung von Genozid"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"margin-left: 5px; margin-right: 5px;\" title=\"Berg Ararat (Quelle: ap)\" src=\"http:\/\/www.heute.de\/ZDF\/zdfportal\/blob\/36604474\/1\/data.jpg\" alt=\"  Kirche am Berg Ararat. Bis zum V\u00f6lkermord lebten die Armenier gr\u00f6\u00dftenteils in mehreren Provinzen rund um den Berg. Der Ararat, der in der T\u00fcrkei liegt, ist das Nationalsymbol der Armenier.  (Quelle: ap)\" width=\"239\" height=\"134\" \/><strong>von Moses Fendel <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In diesen Tagen feiern die Armenier &#8211; wie andere  orthodoxe Christen &#8211; Weihnachten. Es ist der Auftakt zu einem besonderen  Gedenkjahr. Im April vor 100 Jahren begann der V\u00f6lkermord an den  Armeniern im Osmanischen Reich. Die T\u00fcrkei leugnet das bis heute, selbst  Deutschland scheut das Wort &#8222;V\u00f6lkermord&#8220;.<\/p>\n<p>Am 6. und 7. Januar feiern die Armenier nach dem alten,  julianischen Kalender das Weihnachtsfest &#8211; es leitet ein besonderes  Gedenkjahr ein. Im April 1915 begann der Genozid an den Armeniern, bis  zu 1,5 Millionen Menschen wurden ermordet.Viele der  sch\u00e4tzungsweise 50.000 bis 60.000 Armenier, die heute in Deutschland  leben, sind Nachfahren der \u00dcberlebenden des V\u00f6lkermords. Sie k\u00e4mpfen  noch immer um eine vollst\u00e4ndige und weltweite Anerkennung und  Aufarbeitung. Ilias Uyar ist einer von ihnen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kollektives Trauma<\/p>\n<p>&#8222;Die  Geschichte der Armenier in Deutschland beginnt nicht erst mit dem  V\u00f6lkermord von 1915-16. Vor allem in Universit\u00e4tsst\u00e4dten wie Leipzig,  Halle oder Berlin hat das armenische Leben eine lange Tradition&#8220;,  erz\u00e4hlt Rechtsanwalt Uyar in seiner Kanzlei in der K\u00f6lner Innenstadt.  &#8222;Die Diaspora-Erfahrung existiert f\u00fcr die Armenier nicht erst seit dem  V\u00f6lkermord, sondern die Armenier waren immer Reisende und Kaufleute.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Omanisches Reich und &#8222;Jungt\u00fcrken&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Osmanische Reich war der Vorg\u00e4ngerstaat der heutigen T\u00fcrkei  und Verb\u00fcndeter des Deutschen Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg. Seit  einem Milit\u00e4rputsch 1913 wurde es bis zum Ende des Krieges diktatorisch  von den &#8222;Jungt\u00fcrken&#8220; regiert &#8211; einer politischen Bewegung, die das zu  dieser Zeit schon geschw\u00e4chte Osmanische Reich milit\u00e4risch, politisch  und wirtschaftlich zu modernisieren versuchte.<\/p>\n<p>Ziel der Bewegung  war ein ethnisch und religi\u00f6s homogenes, von T\u00fcrken regiertes Gro\u00dfreich,  das auch andere von\u00a0 turksprachigen V\u00f6lkern besiedelte Gebiete wie zum  Beispiel Aserbaidschan, Turkmenistan und Usbekistan umfassen sollte. Der  V\u00f6lkermord an den Armeniern kann als eine Ma\u00dfnahme einer solchen  blutigen Homogenisierung und &#8222;Modernisierung&#8220; des Osmanischen Reiches  gedeutet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und doch ist es das  kollektive Trauma der Vertreibung und Ermordung von mehr als einer  Million Armeniern im Osmanischen Reich, das auch 100 Jahre danach die  nationale Identit\u00e4t vieler Armenier pr\u00e4gt. Nur drei von 50 Mitgliedern  aus der Familie von Ilias Uyar \u00fcberlebten den Genozid.<strong>Viele Armenier kamen als &#8222;Gastarbeiter&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Der  38-J\u00e4hrige leitet ehrenamtlich den Beirat der Di\u00f6zese der Armenischen  Kirche in Deutschland. Sie ist neben dem Zentralrat der Armenier in  Frankfurt am Main die wichtigste und einflussreichste armenische  Organisation hierzulande.Dass die Di\u00f6zese der Armenischen Kirche  ihren Sitz in K\u00f6ln hat, ist kein Zufall. Die Stadt ist ein wichtiges  Zentrum des armenischen Lebens in Deutschland. Unter den vielen  &#8222;Gastarbeitern&#8220; aus der T\u00fcrkei, die seit dem deutsch-t\u00fcrkischen  Anwerbeabkommen von 1961 in die K\u00f6lner Region kamen, waren viele  Armenier. Es war eine Chance, die Schatten der Vergangenheit und die  wieder wachsenden ethnischen Spannungen in der T\u00fcrkei hinter sich zu  lassen und neu anzufangen.Auf 50.000 bis 60.000 Menschen sch\u00e4tzt  Uyar die Zahl der armenisch-st\u00e4mmigen B\u00fcrger bundesweit. Eine  unauff\u00e4llige, \u00fcberschaubare Gemeinschaft, die sich vielleicht am besten  mit dem Etikett &#8222;gut integriert&#8220; beschreiben l\u00e4sst. Mehr als 90 Prozent  haben einen deutschen Pass. Ilias Uyar ist keine Ausnahme. &#8222;Deutschland  ist meine Heimat. Ich habe meinen Zivildienst hier gemacht und begreife  mich auch als aktiven Teil der Gesellschaft.&#8220;<strong>Deutschland als Vorbild f\u00fcr armenisch-t\u00fcrkische Vers\u00f6hnung?<\/strong><\/p>\n<p>Einer  Gesellschaft, die seit Ende der 1960er Jahre &#8211; nach zwei Jahrzehnten  der Verdr\u00e4ngung &#8211;\u00a0 begonnen hatte, ihre eigene Schuld an einem  V\u00f6lkermord aufzuarbeiten. Geht es nach dem t\u00fcrkischen  Exil-Schriftsteller Do\u011fan Akhanl\u0131, soll genau diese Erfahrung zum  Vorbild f\u00fcr eine Aufarbeitung des Genozids an den Armeniern und eine  armenisch-t\u00fcrkische Vers\u00f6hnung werden.&#8220;Deutschland ist f\u00fcr mich  der weltweit am besten geeignete Ort f\u00fcr die Vers\u00f6hnung. Das ist ein  gro\u00dfes Wort, vielleicht ist es noch zu fr\u00fch, von Vers\u00f6hnung zu reden.  Aber es ist ein Begegnungsort und ein Lernort. Eines der gr\u00f6\u00dften  Verbrechen in der Geschichte ist auf deutschem Boden organisiert worden.  Aber die deutsche Gesellschaft hat begonnen, aufzuarbeiten.&#8220;<strong>Autor Akhanl\u0131 fordert Erinnerungsaufstand<\/strong><\/p>\n<p>Von  einer solchen dialogbereiten Haltung ist die t\u00fcrkische Gesellschaft  noch weit entfernt. 2007 wurde der armenischst\u00e4mmige Journalist Hrant  Dink in Istanbul auf offener Stra\u00dfe von einem t\u00fcrkischen Nationalisten  erschossen. In seinen Texten hatte er wiederholt gefordert, die T\u00fcrkei  solle sich ihrer Verantwortung f\u00fcr den Genozid an den Armeniern stellen.  Der Mord an Hrant Dink ist f\u00fcr Do\u011fan Akhanl\u0131 ein Appell gewesen, seine  Stimme noch lauter f\u00fcr die Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu  erheben, auch wenn das lebensgef\u00e4hrlich ist. Er fordert einen  &#8222;Erinnerungsaufstand&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a name=\"faktenboxAnchor\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<div>\n<h3>Der V\u00f6lkermord an den Armeniern<\/h3>\n<\/div>\n<h4>Bis zu 1,5 Millionen Armenier sterben<\/h4>\n<div>\n<p>Es war der erste systematische V\u00f6lkermord des 20. Jahrhunderts: der  Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich. Ab 1915 wurden bis zu  anderthalb Millionen Armenier und mehrere hunderttausend Angeh\u00f6rige  anderer christlicher und muslimischer Minderheiten ermordet. Das Ziel:  ein ethnisch und religi\u00f6s homogener t\u00fcrkischer Staat.<\/p>\n<p>Als Beginn  des V\u00f6lkermordes gilt der 24. April 1915: An diesem Tag wurde die  gesamte armenische Elite in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul,  verhaftet und deportiert. 235 armenische Politiker, K\u00fcnstler,  Journalisten und Unternehmer wurden daraufhin ermordet. Bis heute ist  der 24. April weltweit der zentrale Gedenktag f\u00fcr die Opfer des  Genozids.<\/p>\n<p>In den darauf folgenden Monaten begann die systematische  Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich, die nur ein kleiner Teil  von ihnen \u00fcberleben sollte. T\u00fcrkische Gendarmen, Polizisten und  Soldaten trieben fast alle Armenier des Osmanischen Reiches in  Sammellagern zusammen. Von dort aus wurden viele von ihnen in die  syrische W\u00fcste geschickt. Auf diesen ber\u00fcchtigten Todesm\u00e4rschen starben  sch\u00e4tzungsweise bis zu eine Million Menschen.<\/p>\n<\/div>\n<h4>Deutschland und der V\u00f6lkermord<\/h4>\n<h4>T\u00fcrkei leugnet V\u00f6lkermord<\/h4>\n<div style=\"text-align: left;\">\n<p>&#8222;Ich glaube, wir brauchen  eine noch st\u00e4rkere Bewegung von unten. Die t\u00fcrkische Regierung muss  endlich verstehen, dass sie den V\u00f6lkermord an den Armeniern nicht mehr  leugnen kann. Aber wenn sie den Genozid an den Armeniern anerkennt,  m\u00fcsste sie die ganze t\u00fcrkische Geschichtsschreibung \u00e4ndern und noch  wichtiger: ihre Haltung gegen\u00fcber Minderheiten. Und das ist f\u00fcr die  T\u00fcrkei ein Neubeginn, eine neue Zeit. Und das w\u00e4re nat\u00fcrlich eine  gro\u00dfartige Leistung und genau das soll das Ziel der Bewegung sein.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Armenier fordern offzielle Anerkennung des V\u00f6lkermords<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2005  hat der Bundestag in einer Resolution zum 90. Jahrestag des V\u00f6lkermords  der Opfer gedacht. Das Wort &#8222;V\u00f6lkermord&#8220; fehlt jedoch im Haupttext der  Resolution. Lediglich im erl\u00e4uternden Begr\u00fcndungstext wird darauf  verwiesen, dass &#8222;zahlreiche unabh\u00e4ngige Historiker, Parlamente und  internationale Organisationen [\u2026] die Vertreibung und Vernichtung der  Armenier als V\u00f6lkermord&#8220; bezeichneten.Ilias Uyar findet das  inakzeptabel. Er wirft der deutschen Regierung Feigheit vor. Um die  Beziehungen zu Ankara nicht zu gef\u00e4hrden, scheue sie sich, die Wahrheit  auszusprechen. Zu Beginn des Gedenkjahres fordert er, die Ereignisse von  1915\/16 explizit als V\u00f6lkermord zu benennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Video &#8222;The Cut&#8220;:<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/2262512\/Epischer-Tabubruch---Fatih-Akins...\">http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/2262512\/Epischer-Tabubruch&#8212;Fatih-Akins&#8230;<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">quelle:<a href=\"http:\/\/www.heute.de\/voelkermord-vor-100-jahren-armenier-kaempfen-um-anerkennung-36603906.html\"> http:\/\/www.heute.de\/voelkermord-vor-100-jahren-armenier-kaempfen-um-anerkennung-36603906.html<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Moses Fendel In diesen Tagen feiern die Armenier &#8211; wie andere orthodoxe Christen &#8211; Weihnachten. 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