{"id":26154,"date":"2015-04-14T00:11:43","date_gmt":"2015-04-13T23:11:43","guid":{"rendered":"http:\/\/norkhosq.net\/?p=26154"},"modified":"2015-04-14T00:11:43","modified_gmt":"2015-04-13T23:11:43","slug":"deutschlands-heilige-sache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norkhosq.net\/?p=26154","title":{"rendered":"Deutschlands heilige Sache"},"content":{"rendered":"<div class=\"mceTemp mceIEcenter\" style=\"text-align: left;\">\n<dl class=\"wp-caption aligncenter\" style=\"width: 458px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=70322&amp;type=l&amp;ext=.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"262\" \/><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Harry St\u00fcrmer: \u00bbKostspielige, skrupellose und durch und durch unmoralische Hetzbem\u00fchungen\u00ab Deutschlands im Osmanischen Reich (t\u00fcrkische und deutsche Soldaten vor der Munitionsfabrik der Firma Krupp in Konstantinopel im September 1915) Foto: picture-alliance \/ Mary Evans Picture Library<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Vorabdruck. Der \u00bbDschihad\u00ab des Kaisers \u2013 die wilhelminische Politik w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges im Osmanischen Reich<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/04-14\/001.php\">jungewelt.de<\/a>, Von Harry St\u00fcrmer<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der \u00bbHeilige Krieg\u00ab diente bereits vor 100 Jahren vor allem  der deutschen Au\u00dfenpolitik als Instrument gegen die imperialistische  Konkurrenz: das Vereinigte K\u00f6nigreich, Frankreich und Russland. Man  wollte die von diesen L\u00e4ndern kolonialisierten Regionen durch Aufhetzung  islamistischer Gruppierungen destabilisieren, damit den Einfluss der  Kolonialm\u00e4chte dort schw\u00e4chen, um schlie\u00dflich selbst Bev\u00f6lkerung und  Boden auszupl\u00fcndern.<!--more--><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Harry St\u00fcrmer ging als turkophiler Berichterstatter und Korrespondent der <em>K\u00f6lnischen Zeitung<\/em> im Fr\u00fchjahr 1915 in die Hauptstadt des Osmanischen Reichs und geriet  schon bald in kritische Distanz zur deutschen Politik vor Ort. St\u00fcrmer  klagte in dem 1917 in Lausanne erschienenen Buch Deutschland an,  mitverantwortlich am V\u00f6lkermord an den Armeniern zu sein. Dabei war  St\u00fcrmer kein Menschenfreund, sondern sprach von England, Frankreich und  Russland als \u00bbgesitteten Kolonialregierungen\u00ab, die den unterdr\u00fcckten  V\u00f6lkern Wohlstand f\u00fcr alle gebracht h\u00e4tten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Dieses Dokument hat der Donat Verlag aus Bremen anl\u00e4sslich  des 100. Jahrestags des Beginns des V\u00f6lkermords an der armenischen  Bev\u00f6lkerung am 24. April 1915 neu aufgelegt.<\/strong> <strong><em>jW<\/em><\/strong> <strong>bringt  Passagen daraus. Einige sehr lange S\u00e4tze darin sind aufgel\u00f6st worden;  Absatzeinteilung und \u00dcberschriften stammen von der Redaktion. (jW)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist f\u00fcr einen Deutschen, der zwar nicht in alldeutscher  \u00bbWeltpolitik\u00ab macht, daf\u00fcr aber wirklich weltpolitisch denkt, besonders  peinlich, sich mit den vielen Machenschaften unserer mit wahrhaftig  allen, auch den allerniedrigsten Mitteln arbeitenden, dabei von  Illusionen lebenden Regierung zu besch\u00e4ftigen. Diese Machenschaften  hatten den Zweck, den sogenannten Heiligen Krieg (arabisch \u00bbDschihad\u00ab)  zu entfesseln. Sie sind so gut wie ausnahmslos kl\u00e4glich gescheitert. Ja  nach all den kostspieligen, skrupellosen und durch und durch  unmoralischen Hetzbem\u00fchungen gegen die europ\u00e4ische Zivilisation in den  mohammedanischen L\u00e4ndern ist der furchtbare Gegenschlag des Abfalls der  Araber und der Gr\u00fcndung eines rein arabischen Kalifats unter englischer  F\u00fchrung erfolgt, womit allein schon England seinen Krieg gegen die mit  Deutschland verb\u00fcndete T\u00fcrkei gl\u00e4nzend gewonnen hat (\u2026).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht besser vermag man die deutsche vollst\u00e4ndige Unf\u00e4higkeit zu  erfolgreicher Weltpolitik zu demonstrieren. Der \u00bbHeilige Krieg\u00ab w\u00e4re,  falls gegl\u00fcckt, eines der gro\u00dfen Verbrechen gegen die menschliche Kultur  gewesen, die (\u2026) Deutschland (\u2026) auf sein Gewissen nahm. Der  erfolgreiche, auf alle L\u00e4nder des Islam sich ausbreitende \u00bbDschihad\u00ab  h\u00e4tte unendliche, m\u00fchsam erarbeitete Kulturwerte zerst\u00f6rt, und w\u00e4re gar  nicht zu vergleichen gewesen mit der Verwendung seitens der Entente  (gemeint ist die Triple Entente, das seit 1907 bestehende B\u00fcndnis  zwischen Vereintem K\u00f6nigreich, Frankreich und Russland; <em>jW<\/em>) von  farbigen Truppen in Europa, wogegen Deutschland soviel geschrien hat.  Denn dort handelte es sich um eine allgemeine Entfesselung wilden  Fanatismus gegen das segensreiche Werk gesitteter Kolonialregierungen  (\u2026).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber das Attentat auf die koloniale Zivilisation gelang nicht (\u2026). So  blieb es bei einer erb\u00e4rmlichen Farce! Ihr vorl\u00e4ufiger Abschluss,  n\u00e4mlich der Abfall des arabischen Kalifats, also das genaue Gegenteil  von dem, was man mit so viel fanatischer Hetze, unmoralischer Propaganda  und Kr\u00e4ftevergeudung angestrebt hatte, wirkt wahrhaftig fast  tragikomisch! Die Sucht, den \u00bbHeiligen Krieg\u00ab zu \u00bbentfesseln\u00ab, beruhte  zun\u00e4chst auf l\u00e4cherlichen Illusionen. Es scheint, dass in Deutschland,  dem Lande der Wissenschaft, das doch so viele hervorragende  Forschungsreisende geliefert hat, die politische Verblendung und  Illusionenkrankheit auch die M\u00e4nner ergriffen hat, die nach ihrer  genauen Kenntnis der L\u00e4nder des Islam von vornherein laut ihre Stimme  gegen diese gewaltige Dummheit h\u00e4tten erheben m\u00fcssen. Es scheint  \u00fcberhaupt, dass alle gr\u00fcndliche Wissenschaft, alle aufgespeicherten  Studien, Deutschland soviel wie nichts gen\u00fctzt haben, so dass  weltpolitisch Fehler \u00fcber Fehler begangen worden sind.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">\u00bbVorbildliche Kolonien\u00ab<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Man wird mir einwenden, dass Deutschland, auch wenn es des Erfolges  nicht sicher war, doch dieses Mittel des \u00bbHeiligen Kriegs\u00ab wenigstens  nicht unversucht lassen durfte, um seinen Gegnern durch Entfesselung  kolonialer Aufst\u00e4nde Schwierigkeiten zu bereiten. Ich verweise  demgegen\u00fcber auf die auch Deutschland genau bekannten tats\u00e4chlichen  Zust\u00e4nde nicht nur im englischen, sondern auch im franz\u00f6sischen und  russischen islamitischen Kolonialgebiet, Zust\u00e4nde, die jede Verhetzung  zum \u00bbDschihad\u00ab von vornherein g\u00e4nzlich, aber auch g\u00e4nzlich aussichtslos  machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nehmen wir als Beispiel nur \u00c4gypten, Franz\u00f6sisch-Nordwestafrika und  Russisch-Turkestan, ohne von der durch Jahrhunderte erprobten,  meisterhaften englischen Kolonialverwaltung in Indien auch nur zu reden.  Wer je \u00c4gypten sah, wo die moderne gro\u00dfz\u00fcgige und liberale englische  Regierung die Anbaufl\u00e4che des Landes durch technische Anlagen,  Amelioration (Verbesserungen in der Landwirtschaft; <em>jW<\/em>) und  geschickte Ausn\u00fctzung aller M\u00f6glichkeiten unter Aufwand von Hunderten  Millionen von Pfund nahezu verdoppelt, einer armen Bev\u00f6lkerung durch  lukrative Bodenproduktion Gelegenheit zum Verdienst, ja Reichtum  verschafft und gegen\u00fcber dem fr\u00fcheren Zustand t\u00fcrkischer Misswirtschaft,  Aussaugung und Despotie geradezu paradiesische Verh\u00e4ltnisse geschaffen  hat, musste von vornherein \u00fcber alle Illusionen Deutschlands und der  T\u00fcrkei, diese gl\u00fccklich lebende Bev\u00f6lkerung gegen ihre Herren  aufstacheln zu k\u00f6nnen, den Kopf sch\u00fctteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Harry St\u00fcrmer: \u00bbKostspielige, skrupellose und durch und durch unmoralische Hetzbem\u00fchungen\u00ab Deutschlands im Osmanischen Reich (t\u00fcrkische und deutsche Soldaten vor der Munitionsfabrik der Firma Krupp in Konstantinopel im September 1915) Foto:&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-26154","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26154"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26154\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26155,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26154\/revisions\/26155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}