{"id":26390,"date":"2015-05-01T23:31:09","date_gmt":"2015-05-01T21:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/norkhosq.net\/?p=26390"},"modified":"2015-05-01T23:34:20","modified_gmt":"2015-05-01T21:34:20","slug":"junge-wissenschaftler1234","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norkhosq.net\/?p=26390","title":{"rendered":"Junge Wissenschaftler arbeiten V\u00f6lkermord auf"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/tuerkei-und-armenien-junge-wissenschaftler-arbeiten.691.de.html?dram%3Aarticle_id=317807\"><small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"margin-left: 5px; margin-right: 5px;\" src=\"http:\/\/newsroom.aua.am\/files\/2015\/02\/image0033-800x532.jpg\" alt=\"image003\" width=\"223\" height=\"148\" \/><\/small><\/a><\/strong><em>On February 4, 2015, the American University of  Armenia (AUA) hosted a  talk by Turkish Historian Mehmet Polatel on  \u201cArmenian Property  Confiscation During and After the Genocide.\u201d The  lecture was part of  AUA\u2019s 1915 Centennial series.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/tuerkei-und-armenien-junge-wissenschaftler-arbeiten.691.de.html?dram%3Aarticle_id=317807\"><small>www.deutschlandfunk.de<\/small><\/a><\/strong><\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Von Susanne G\u00fcsten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie mit dem H\u00e4mmerchen aufs Knie geschlagen tritt die  offizielle T\u00fcrkei aus, wenn sie auf den V\u00f6lkermord an den Armeniern  angesprochen wird. Reflexartig ger\u00e4t die Regierung in Rage, die  Opposition tobt mit, der Staatspr\u00e4sident schimpft auf den Papst und die  Verlautbarungen des Au\u00dfenministeriums lassen jede diplomatische  H\u00f6flichkeit vermissen. Wenn es um das G-Wort geht, wie der Begriff  Genozid in der Debatte sp\u00f6ttisch umschrieben wird, dann brennen beim  t\u00fcrkischen Staat alle Sicherungen durch. Von au\u00dfen betrachtet k\u00f6nnte man  meinen, eine seri\u00f6se Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Armenier  und anderen anatolischen Christen im untergehenden Osmanischen Reich sei  in der T\u00fcrkei noch immer nicht m\u00f6glich, das Thema auch nach 100 Jahren  noch v\u00f6llig tabu. Doch dieser Eindruck t\u00e4uscht.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die interessantesten und wichtigsten Beitr\u00e4ge zur  Erforschung des V\u00f6lkermordes an den Armeniern kommen neuerdings von  jungen t\u00fcrkischen Historikern, die in den Osmanischen Archiven forschen  und keinerlei Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit dem G-Wort haben. Einer von ihnen ist  Mehmet Polatel, der an der privaten Koc-Universit\u00e4t in Istanbul t\u00e4tig  ist und die Enteignung armenischen Besitzes w\u00e4hrend der Vertreibung  erforscht. Die Eigentumsfrage sei keine Nebensache, sondern  konstitutiver Bestandteil des Genozids, erl\u00e4uterte Polatel k\u00fcrzlich in  einem Vortrag an der Amerikanischen Universit\u00e4t in Eriwan.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Die Enteignung begann nicht erst mit dem Genozid. Die  Enteignung der Armenier ist vielmehr als ein wesentlicher Faktor der  Motivation zum V\u00f6lkermord zu sehen, der die T\u00e4ter zum Genozid  veranlasste.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Detailliert schildet Polatel in seinen B\u00fcchern und  Artikeln, wie der Besitz der Armenier ab 1915 planm\u00e4\u00dfig enteignet und  verteilt wurde. Versorgt wurden damit zun\u00e4chst muslimische Fl\u00fcchtlinge  vom Balkan und dem Kaukasus sowie die osmanische Staatskasse. Ein Teil  des erbeuteten Reichtums wurde gezielt muslimischen Unternehmern zur  Verf\u00fcgung gestellt, um eine t\u00fcrkifizierte, nationale Wirtschaft zu  schaffen. Einiges rissen sich \u00f6rtliche Eliten zur pers\u00f6nlichen  Bereicherung unter den Nagel, und ein weiterer Teil wurde schlie\u00dflich an  die Bev\u00f6lkerung verteilt, um sie in die Vernichtung der Armenier  einzubinden. Organisiert und sehr genau kontrolliert wurde das alles von  der jungt\u00fcrkischen Regierung, die den Prozess mit allerlei Gesetzen und  Erlassen steuerte &#8211; und das schon seit dem Fr\u00fchjahr 1915, wie Polatel  betont. Diese &#8222;systematische Kontrolle&#8220; des Staates \u00fcber die Enteignung  der Armenier belege, dass es sich bei ihrer Deportation keineswegs um  eine vor\u00fcbergehende Umsiedlung gehandelt habe, sagt der t\u00fcrkische  Historiker:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Einige Historiker versuchen, mit allen Mitteln zu  beweisen, dass es sich bei den Umsiedlungen um eine vor\u00fcbergehende  Sicherheitsma\u00dfnahme handelte und dass der Staat nie die Absicht hatte,  die Armenier zu Schaden zu bringen. Aber die Tatsache, dass der Staat  sehr detaillierte Planungen und allerlei gesetzliche Ma\u00dfnahmen zur  Aufteilung, Zuweisung und Verwendung des armenischen Besitzes erlie\u00df,  zeigt ganz zweifellos, dass die Armenier in den Tod geschickt wurden.  Schon bevor sie tot waren, wurde ihr Besitz verwaltet, als ob sie schon  gestorben w\u00e4ren.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sein ausf\u00fchrlichstes Werk \u00fcber diesen Aspekt des  V\u00f6lkermordes hat Polatel zusammen mit dem Historiker Ugur \u00dcmit \u00dcng\u00f6r  geschrieben, der \u00fcber die T\u00fcrkifizierung von Anatolien zulasten der  alteingesessenen Minderheiten arbeitet. Die heute so erfolgreiche  t\u00fcrkische Volkswirtschaft sei auf dem enteigneten Besitz der Armenier  aufgebaut, sagt \u00dcng\u00f6r:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Das ist die Grundlage der t\u00fcrkischen Wirtschaft. Die  Enteignung der Armenier war eine der gr\u00f6\u00dften Umverteilungen von Eigentum  in der neueren Geschichte.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anders als der t\u00fcrkische Staat schrecken diese  t\u00fcrkischen Wissenschaftler vor schmerzhaften Erkenntnissen nicht zur\u00fcck.  Der junge Politikwissenschaftler \u00dcmit Kurt, der sich ebenfalls mit der  Enteignung der Armenier im Rahmen des V\u00f6lkermordes befasst, weist auf  die Parallelen zum deutschen Nationalsozialismus hin:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Man kann einen ganz klaren Vergleich ziehen zwischen  der Arisierung j\u00fcdischen Eigentums durch das Nazi-regime und der  T\u00fcrkifizierung und Enteignung armenischen Besitzes. Es gibt  betr\u00e4chtliche Gemeinsamkeiten und \u00c4hnlichkeiten zwischen den beiden  Prozessen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch der Frage nach der Rolle der modernen T\u00fcrkischen  Republik und ihres Staatsgr\u00fcnders Atat\u00fcrk geht der junge t\u00fcrkische  Wissenschaftler nicht aus dem Weg:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Hinter der T\u00fcrkifizierung armenischen Besitzes stand  ein riesiges, enormes Rechtsgef\u00fcge, das von der T\u00fcrkischen Republik und  Atat\u00fcrk \u00fcbernommen worden ist. Diese ganzen Gesetze und Vorschriften  sind von der Republik \u00fcbernommen und aktualisiert worden.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcmit Kurt ist ebenso wie Mehmet Polatel oder Ugur \u00dcmit  \u00dcng\u00f6r nur einer von Dutzenden t\u00fcrkischen Historikern, Soziologen,  Politikwissenschaftlern und sonstigen Akademikern, die sich schon seit  Jahren offensiv und konstruktiv mit dem Schicksal der Armenier in ihrem  Land auseinandersetzen. Die meisten von ihnen forschen freilich nicht an  staatlichen Universit\u00e4ten, sondern an privaten Hochschulen &#8211; teilweise  sogar an solchen Hochschulen, deren M\u00e4zene ihren Reichtum dem einst  staatlich zugeteilten Startkapital aus armenischem Besitz zu verdanken  haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch auch nicht alle Privatunis haben den Mut dazu.  Einer Tagung mit dem Titel &#8222;Der V\u00f6lkermord an den Armeniern&#8220;, zu der  sich Polatel, \u00dcng\u00f6r, Kurt und viele weitere gleichgesinnte  Wissenschaftler am kommenden Sonntag in Istanbul treffen wollen, wurde  von der daf\u00fcr vorgesehenen Bilgi-Uni kurzfristig der Saal gestrichen.  Der Tagungsort wurde nun verlegt an die Bosporus-Universit\u00e4t &#8211; das ist  eine staatliche Universit\u00e4t. Sie bewegt sich n\u00e4mlich doch.<\/p>\n<\/div>\n<div><strong>See mor:\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.google.de\/imgres?imgurl=http:\/\/newsroom.aua.am\/files\/2015\/02\/image0033.jpg&amp;imgrefurl=http:\/\/newsroom.aua.am\/2015\/02\/05\/mehmet-polatel-turkish-historian-discusses-property-confiscation-during-and-after-the-armenian-genocide\/&amp;h=986&amp;w=1480&amp;tbnid=npm9mKLHnRod3M:&amp;zoom=1&amp;tbnh=90&amp;tbnw=135&amp;usg=__a26WDSmC1gMBIFohqDhdZpmvJKQ=&amp;docid=2WXR-b8UYcbXTM\">Mehmet Polatel, Turkish Historian, Discusses Property Confiscation During and After the Armenian Genocide<\/a><\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">YEREVAN, Armenia \u2013 On February 4, 2015, the American University of  Armenia (AUA) hosted a talk by Turkish Historian Mehmet Polatel on  \u201cArmenian Property Confiscation During and After the Genocide.\u201d The  lecture was part of AUA\u2019s 1915 Centennial series.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>On February 4, 2015, the American University of Armenia (AUA) hosted a talk by Turkish Historian Mehmet Polatel on \u201cArmenian Property Confiscation During and After the Genocide.\u201d The lecture was&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-26390","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26390"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26390\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26397,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26390\/revisions\/26397"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/norkhosq.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}