{"id":26682,"date":"2015-06-11T23:44:55","date_gmt":"2015-06-11T21:44:55","guid":{"rendered":"http:\/\/norkhosq.net\/?p=26682"},"modified":"2015-06-11T23:44:55","modified_gmt":"2015-06-11T21:44:55","slug":"an-meinem-namen-klebte-blut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norkhosq.net\/?p=26682","title":{"rendered":"&#8222;An meinem Namen klebte Blut&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a name=\"_art_picture_\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/regionales\/koeln\/article120446953\/Armenischer-Nachname-18.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"margin-left: 5px; margin-right: 5px;\" title=\" Madlen Vartian k\u00e4mpfte hart daf\u00fcr, dass sie den ihr aufgezwungen t\u00fcrkischen Namen \u201eG\u00fclbeyaz\u201c ablegen konnte \" src=\"http:\/\/img.welt.de\/img\/koeln\/crop120446953\/5816602423-ci3x2s-w300-ai2x3l\/Armenischer-Nachname-18-.jpg\" alt=\" Madlen Vartian k\u00e4mpfte hart daf\u00fcr, dass sie den ihr aufgezwungen t\u00fcrkischen Namen \u201eG\u00fclbeyaz\u201c ablegen konnte \" width=\"189\" height=\"284\" \/><\/a>Madlen Vartian wollte ihren t\u00fcrkischen Namen G\u00fclbeyaz ablegen, doch die  K\u00f6lner Stadtverwaltung untersagte es. Die Anw\u00e4ltin k\u00e4mpfte f\u00fcr ihren  Wunsch, denn dieser Name wurde ihr aufgezwungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als der Standesbeamte die  junge Frau nach ihrem Namen fragte, bekam er eine sonderbare Antwort:  &#8222;Ich muss Madlen G\u00fclbeyaz hei\u00dfen&#8220;. Der Beamte musterte die charmante  Dame mit den schwarzen Locken. In seinem Gesicht zeichnete sich ein Mix  aus Unverst\u00e4ndnis und Sorge ab. Vermutlich hielt er sie f\u00fcr verr\u00fcckt.  Sogleich erl\u00e4uterte Madlen G\u00fclbeyaz ihr Anliegen. Sie wolle ihren  t\u00fcrkischen Nachnamen \u00e4ndern, mit dem sie sich einfach nicht  identifizieren k\u00f6nne.<\/p>\n<p id=\"p1\" style=\"text-align: left;\">Als  der Beamte h\u00f6rte, dass G\u00fclbeyaz auf Deutsch &#8222;wei\u00dfe Rose&#8220; hei\u00dft,  erkundigte er sich, warum sie einen so sch\u00f6nen Namen \u00e4ndern wolle. Die  damals 25-J\u00e4hrige erkl\u00e4rte in vielen Worten, was man in einem Satz so  ausdr\u00fccken k\u00f6nnte: weil an diesem Namen Blut klebt. <!--more-->Denn Madlen G\u00fclbeyaz  ist nicht, wie ihr Nachname nahelegt, t\u00fcrkischer Abstammung, sondern  armenischer. Und die armenische Volksgruppe wurde 1915 im Osmanischen  Reich bekanntlich Opfer eines millionenfachen Massenmords.<\/p>\n<p id=\"p2\" style=\"text-align: left;\">Auch  die Familie von G\u00fclbeyaz wurde damals fast ausgel\u00f6scht. Sp\u00e4ter, in den  ersten Jahrzehnten der t\u00fcrkischen Republik, wurden die verbliebenen  Armenier ebenfalls unterdr\u00fcckt. Ab 1935 wurden alle nichtt\u00fcrkischen  Bewohner der T\u00fcrkei zudem gen\u00f6tigt, ihre bisherigen \u2013 armenischen,  aram\u00e4ischen oder kurdischen \u2013 Familiennamen gegen einen t\u00fcrkischen  einzutauschen. Dass aber die t\u00fcrkischen T\u00e4ter den armenischen Opfern  auch noch ihre alte Identit\u00e4t rauben sollten, dass sie die letzten  Spuren von Armeniertum selbst aus dem Familiennamen auszul\u00f6schen  versuchten, das findet G\u00fclbeyaz unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p id=\"p3\" style=\"text-align: left;\">Und  da sie auch Deutsche ist, glaubte sie, hier k\u00f6nne sie ihren ungeliebten  Nachnamen problemlos ablegen. Aber weit gefehlt. Der Standesbeamte  weigerte sich.<\/p>\n<div>\n<div><a name=\"_art_picture_\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/regionales\/koeln\/article120446952\/Armenischer-Nachname-17.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"margin-left: 5px; margin-right: 5px;\" title=\" Daf\u00fcr, dass die K\u00f6lner Rechtsanw\u00e4ltin ihren aram\u00e4ischen Namen \u201eVartian\u201c auf ihr Briefpapier schreiben darf, hat sie lange und hart gek\u00e4mpft \" src=\"http:\/\/img.welt.de\/img\/koeln\/crop120446952\/5999739396-ci3x2l-w540\/Armenischer-Nachname-17-.jpg\" alt=\" Daf\u00fcr, dass die K\u00f6lner Rechtsanw\u00e4ltin ihren aram\u00e4ischen Namen \u201eVartian\u201c auf ihr Briefpapier schreiben darf, hat sie lange und hart gek\u00e4mpft \" width=\"230\" height=\"153\" \/><\/a><a name=\"_art_picture_\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/regionales\/koeln\/article120446952\/Armenischer-Nachname-17.html\"><\/a><\/div>\n<p>Foto: Kirsten Neumann      Die K\u00f6lner Rechtsanw\u00e4ltin Madlen Vartian hat lange daf\u00fcr gek\u00e4mpft, ihren armenischen Namen auf Briefpapier schreiben zu d\u00fcrfen<\/p><\/div>\n<p id=\"p0\">Als  der Standesbeamte die junge Frau nach ihrem Namen fragte, bekam er eine  sonderbare Antwort: &#8222;Ich muss Madlen G\u00fclbeyaz hei\u00dfen&#8220;. Der Beamte  musterte die charmante Dame mit den schwarzen Locken. In seinem Gesicht  zeichnete sich ein Mix aus Unverst\u00e4ndnis und Sorge ab. Vermutlich hielt  er sie f\u00fcr verr\u00fcckt. Sogleich erl\u00e4uterte Madlen G\u00fclbeyaz ihr Anliegen.  Sie wolle ihren t\u00fcrkischen Nachnamen \u00e4ndern, mit dem sie sich einfach  nicht identifizieren k\u00f6nne.<\/p>\n<p id=\"p1\">Als  der Beamte h\u00f6rte, dass G\u00fclbeyaz auf Deutsch &#8222;wei\u00dfe Rose&#8220; hei\u00dft,  erkundigte er sich, warum sie einen so sch\u00f6nen Namen \u00e4ndern wolle. Die  damals 25-J\u00e4hrige erkl\u00e4rte in vielen Worten, was man in einem Satz so  ausdr\u00fccken k\u00f6nnte: weil an diesem Namen Blut klebt. Denn Madlen G\u00fclbeyaz  ist nicht, wie ihr Nachname nahelegt, t\u00fcrkischer Abstammung, sondern  armenischer. Und die armenische Volksgruppe wurde 1915 im Osmanischen  Reich bekanntlich Opfer eines millionenfachen Massenmords.<\/p>\n<p id=\"p2\">Auch  die Familie von G\u00fclbeyaz wurde damals fast ausgel\u00f6scht. Sp\u00e4ter, in den  ersten Jahrzehnten der t\u00fcrkischen Republik, wurden die verbliebenen  Armenier ebenfalls unterdr\u00fcckt. Ab 1935 wurden alle nichtt\u00fcrkischen  Bewohner der T\u00fcrkei zudem gen\u00f6tigt, ihre bisherigen \u2013 armenischen,  aram\u00e4ischen oder kurdischen \u2013 Familiennamen gegen einen t\u00fcrkischen  einzutauschen. Dass aber die t\u00fcrkischen T\u00e4ter den armenischen Opfern  auch noch ihre alte Identit\u00e4t rauben sollten, dass sie die letzten  Spuren von Armeniertum selbst aus dem Familiennamen auszul\u00f6schen  versuchten, das findet G\u00fclbeyaz unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p id=\"p3\">Und  da sie auch Deutsche ist, glaubte sie, hier k\u00f6nne sie ihren ungeliebten  Nachnamen problemlos ablegen. Aber weit gefehlt. Der Standesbeamte  weigerte sich. Dazu sei er erst bereit, wenn G\u00fclbeyaz ihm ein  psychiatrisches Attest vorlege. Aus dem m\u00fcsse hervorgehen, dass sie  durch ihren Namen traumatisiert sei, erl\u00e4uterte er. Alles andere sei  &#8222;kein wichtiger Grund&#8220;.<\/p>\n<h3>Was wichtige Gr\u00fcnde sind<\/h3>\n<div>\n<div><a name=\"_art_picture_\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/regionales\/koeln\/article120446953\/Armenischer-Nachname-18.html\"><\/a><\/div>\n<\/div>\n<p id=\"p3\" style=\"text-align: left;\">Dazu sei er erst bereit, wenn G\u00fclbeyaz ihm ein  psychiatrisches Attest vorlege. Aus dem m\u00fcsse hervorgehen, dass sie  durch ihren Namen traumatisiert sei, erl\u00e4uterte er. Alles andere sei  &#8222;kein wichtiger Grund&#8220;.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Was wichtige Gr\u00fcnde sind<\/h3>\n<p id=\"p5\" style=\"text-align: left;\">Szenen wie diese  aus einem K\u00f6lner Standesamt haben sich deutschlandweit schon oft  abgespielt. Damit soll nun Schluss sein. Kurz vor der Wahl hat das  Bundeskabinett noch eine Verwaltungsvorschrift zum Namens\u00e4nderungsrecht  erg\u00e4nzt, die vor allem eine Frage neu beantwortet: Was ist ein  &#8222;wichtiger Grund&#8220;, der eine Namens\u00e4nderung rechtfertigt?<\/p>\n<p id=\"p6\" style=\"text-align: left;\">Bislang  liegt ein solcher vor, wenn der Nachname zum Beispiel offenkundig  absto\u00dfend wirkt. Laut Kabinettsbeschluss liegt ein solcher Grund k\u00fcnftig  aber auch dann vor, wenn ein aufgezwungener Name &#8222;Ausdruck von  Verfolgung und Unterdr\u00fcckung&#8220; ist. Namens\u00e4nderungen w\u00fcrden dadurch also  erheblich leichter.<\/p>\n<p id=\"p7\" style=\"text-align: left;\">Inspiriert  wurde das Kabinett zu diesem Beschluss durch den  CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker aus dem westf\u00e4lischen Kreis  Warendorf. Dieser Kreis gilt als Hochburg einer anderen t\u00fcrkeist\u00e4mmigen  Volksgruppe, die ebenfalls im Osmanischen Reich und in der t\u00fcrkischen  Republik verfolgt wurde: der \u00fcber 100.000 deutschen Aram\u00e4er. Auch ihren  Familien wurde seit 1935 in der T\u00fcrkei ein t\u00fcrkischer Nachname  aufgezwungen.<\/p>\n<p id=\"p8\" style=\"text-align: left;\">Hunderte  deutsche Aram\u00e4er versuchten bereits, diesen Namen wieder abzulegen \u2013  fast immer vergeblich. Daraufhin wandten sie sich an ihren  Wahlkreisabgeordneten Sendker. Der machte das Bundesinnenministerium  aufmerksam. Und das BMI handelte erstaunlich schnell.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Parallelen zu Juden<\/h3>\n<p id=\"p10\" style=\"text-align: left;\">In  Zukunft k\u00f6nnte dadurch Tausenden Bundesb\u00fcrgern erspart bleiben, was  Madlen G\u00fclbeyaz noch auf sich nehmen musste. Sie lie\u00df sich von dem  K\u00f6lner Beamten nicht entmutigen und besuchte den psychiatrischen  Oberarzt einer Uniklinik im Ruhrgebiet. Der hatte sich eingehend mit  \u00dcberlebenden und Nachfahren eines anderen Massenmordes besch\u00e4ftigt: des  Genozids an den Juden.<\/p>\n<p id=\"p11\" style=\"text-align: left;\">Bei  der deutschen Armenierin erkannte er schnell Parallelen zum Schicksal  mancher deutscher Juden. Auch von ihnen litten viele darunter, einen  deutschen Namen zu tragen \u2013 der sie mit dem Volk der T\u00e4ter  identifizierte, obwohl Angeh\u00f6rige dieses Volkes doch versucht hatten,  sie auszul\u00f6schen.<\/p>\n<p id=\"p12\" style=\"text-align: left;\">\u00c4hnlich  empfand Madlen G\u00fclbeyaz. Auch sie wollte keinen Nachnamen tragen, der  sie mit dem Volk der T\u00e4ter identifizierte, immerhin hatten Angeh\u00f6rige  dieses Volkes 1915 \u00fcber eine Millionen Armenier vernichtet. Auch  erinnerte G\u00fclbeyaz sich zu gut an die Schilderungen ihres Vaters. Der  hatte ihr erz\u00e4hlt, wie er noch in der t\u00fcrkischen Republik als kleiner  Junge auf dem Dorf fast t\u00e4glich von T\u00fcrken als &#8222;Christenschwein&#8220;  beschimpft und mit Steinen beschmissen wurde.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Liebensw\u00fcrdige T\u00fcrken<\/h3>\n<p id=\"p14\" style=\"text-align: left;\">Nat\u00fcrlich  wei\u00df G\u00fclbeyaz, dass es viele liebensw\u00fcrdige T\u00fcrken gibt und auch damals  gab. Das verdeutlicht bereits ihr Name &#8222;Wei\u00dfe Rose&#8220;. Der damalige  t\u00fcrkische Staatsbedienstete meinte es bei der Namens\u00e4nderung ja  offensichtlich gut mit ihren Gro\u00dfeltern, auch wenn anderen Armeniern  oder Aram\u00e4ern von anderen Staatsbediensteten schon mal Namen wie  &#8222;Gullideckel&#8220; aufgezwungen wurden.<\/p>\n<p id=\"p15\" style=\"text-align: left;\">Wie  auch immer: G\u00fclbeyaz hegt weder gegen &#8222;die&#8220; T\u00fcrkei noch gegen &#8222;die&#8220;  T\u00fcrken Groll. Trotzdem empfand sie es als Bruch mit ihrer Identit\u00e4t und  als Stich ins Herz, dass sie, als Armenierin mit einer solchen  Familiengeschichte, einen t\u00fcrkischen Zwangsnamen tragen sollte.<\/p>\n<p id=\"p16\" style=\"text-align: left;\">Und  diese Abneigung gegen einen Familiennamen aus der T\u00e4ter-Kultur ist kein  seltenes Ph\u00e4nomen \u2013 weder bei Minderheiten aus der T\u00fcrkei noch bei  deutschen Juden oder schwarzen US-Amerikanern. Auch von letzteren ist  bekannt, dass sie sich zumal in den 50er- und 60er-Jahren des 20.  Jahrhunderts gelegentlich von ihrem Familiennamen trennten. Sie  glaubten, diese Nachnamen seien ihnen allesamt von den fr\u00fcheren  Sklavenhaltern angeheftet worden.<\/p>\n<p id=\"p17\" style=\"text-align: left;\">Ber\u00fchmt  wurde der Fall des militanten schwarzen B\u00fcrgerrechtlers und Muslims  Malcolm Little, der sich nur noch &#8222;Malcolm X&#8220; nannte, weil die wei\u00dfen  Sklavenhalter seiner Familie den wahren Nachnamen gestohlen h\u00e4tten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">&#8222;Namens\u00e4nderung w\u00fcnschenswert&#8220;<\/h3>\n<p id=\"p19\" style=\"text-align: left;\">Der  Psychiater des NRW-Uniklinikums jedenfalls diagnostizierte bei seiner  Patientin \u2013 in den Worten des Philosophen Max Horkheimer \u2013 die starke  Sehnsucht, dass der T\u00e4ter nicht \u00fcber das Opfer triumphieren m\u00f6ge. Nach  wenigen Sitzungen bekam die Frau, die sich G\u00fclbeyaz nennen musste, ein  Attest ausgestellt. Darin best\u00e4tigte der Experte, dass die armenische  Familie der Patientin &#8222;zwangst\u00fcrkisiert&#8220; worden sei, was ihre  &#8222;pers\u00f6nliche Identit\u00e4tsfindung&#8220; erschwere. &#8222;Aus psychiatrischer Sicht&#8220;  sei daher eine &#8222;Namens\u00e4nderung ausgesprochen w\u00fcnschenswert und w\u00fcrde der  weiteren Genesung hilfreich sein&#8220;.<\/p>\n<p id=\"p20\" style=\"text-align: left;\">Dem  Standesbeamten entgleisten beinahe die Gesichtsz\u00fcge, als bald darauf  wieder die junge Frau mit den schwarzen Locken in seinem B\u00fcro auftauchte  \u2013 und ihm das Attest auf den Tisch legte. Seitdem hei\u00dft die heute  31-j\u00e4hrige K\u00f6lner Rechtsanw\u00e4ltin nicht mehr Madlen G\u00fclbeyaz, sondern  Madlen Vartian. Das bedeutet ebenfalls &#8222;wei\u00dfe Rose&#8220;, allerdings auf  Armenisch.<\/p>\n<p id=\"p21\" style=\"text-align: left;\">So sehr  Vartian diesen Moment des Triumphes auch genoss \u2013 eine Zumutung war es  f\u00fcr sie dennoch: &#8222;Ich musste mich zum psychiatrischen Fall machen, ich  musste mich sozusagen pathologisieren, um diesen Unterdr\u00fcckernamen  loszuwerden&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Zustimmung erwartet<\/h3>\n<p id=\"p23\" style=\"text-align: left;\">Immerhin:  Fortan d\u00fcrfte es leichter werden, sich von derart problematischen  Nachnamen zu befreien \u2013 sofern der rot-gr\u00fcn dominierte Bundesrat im  Oktober zustimmt. Daf\u00fcr spricht aber vieles. So hat sich auch Bilkay  \u00d6ney, die sozialdemokratische Integrationsministerin aus dem gr\u00fcn-roten  Baden-W\u00fcrttemberg, vor Monaten daf\u00fcr ausgesprochen, die Namens\u00e4nderung  bei T\u00fcrkeist\u00e4mmigen zu erleichtern.<\/p>\n<p id=\"p24\" style=\"text-align: left;\">Sollte  der Bundesrat also seinen Segen geben, w\u00fcrde nicht nur einer bestimmten  Bev\u00f6lkerungsgruppe &#8222;erm\u00f6glicht, ihren urspr\u00fcnglichen Familiennamen  wiederzuerlangen, sondern allen Betroffenen in der Bundesrepublik, deren  zwangsweise eingef\u00fchrter Familienname Ausdruck von Verfolgung und  Unterdr\u00fcckung ist&#8220;, so betont Daniyel Demir, der Vorsitzende des  Bundesverbands der Aram\u00e4er.<\/p>\n<p id=\"p25\" style=\"text-align: left;\">In  der Tat: Nutzen k\u00f6nnten diese Regelung gleich mehrere kulturelle  Minderheiten unter den deutschen Staatsb\u00fcrgern. Schlie\u00dflich gibt es  allemal 15.000 t\u00fcrkeist\u00e4mmige Armenier, rund 100.000 t\u00fcrkeist\u00e4mmige  Aram\u00e4er und zwischen 500.000 und 800.000 t\u00fcrkeist\u00e4mmige Kurden in  Deutschland.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Fehlerhafte Statistiken?<\/h3>\n<p id=\"p27\" style=\"text-align: left;\">Wie  viele von ihnen den Nachnamen \u00e4ndern wollen, wei\u00df niemand. Ob die  Angaben zur Zahl der T\u00fcrkischst\u00e4mmigen in Deutschland nach unten  korrigiert werden m\u00fcssen, bleibt also abzuwarten. Eins aber steht fest:  Bislang wird deren Zahl an vielen Hochschulen, in Vereinen und sogar in  manchen Kommunen anhand der Nachnamen errechnet \u2013 obwohl sich die drei  genannten Bev\u00f6lkerungsgruppen nicht als <em>T\u00fcrkisch<\/em>st\u00e4mmige, sondern allenfalls als <em>T\u00fcrkei<\/em>st\u00e4mmige verstehen.<\/p>\n<p id=\"p28\" style=\"text-align: left;\">Wie  unzuverl\u00e4ssig die Ergebnisse sind, wenn man alle B\u00fcrger mit t\u00fcrkischen  Namen zu T\u00fcrken erkl\u00e4rt, zeigt ein weiterer Umstand. Dokumentiert sind  F\u00e4lle von Armeniern, Kurden und Aram\u00e4ern, die geradezu supert\u00fcrkische  Nachnamen erhielten.<\/p>\n<p id=\"p29\" style=\"text-align: left;\">Nun  ist es aus patriotisch-t\u00fcrkischer Sicht sicher ein Geschenk, &#8222;\u00d6zt\u00fcrk&#8220;  oder &#8222;\u00d6zt\u00fcrker&#8220; zu hei\u00dfen, was soviel wie &#8222;reiner&#8220; oder &#8222;wahrhaftiger  T\u00fcrke&#8220; bedeutet. Aus der Perspektive von nichtt\u00fcrkischen Opfern  t\u00fcrkischer Politik jedoch zeugt solch ein Name von \u2013 Zynismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Foto: Kirsten Neumann      Madlen Vartian k\u00e4mpfte hart daf\u00fcr, dass sie  den ihr aufgezwungen t\u00fcrkischen Namen &#8222;G\u00fclbeyaz&#8220; ablegen konnte<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/regionales\/koeln\/article120446954\/An-meinem-Namen-klebte-Blut.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.welt.de<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Madlen Vartian wollte ihren t\u00fcrkischen Namen G\u00fclbeyaz ablegen, doch die K\u00f6lner Stadtverwaltung untersagte es. Die Anw\u00e4ltin k\u00e4mpfte f\u00fcr ihren Wunsch, denn dieser Name wurde ihr aufgezwungen. 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