{"id":27130,"date":"2015-09-27T01:54:53","date_gmt":"2015-09-26T23:54:53","guid":{"rendered":"http:\/\/norkhosq.net\/?p=27130"},"modified":"2015-09-27T01:55:59","modified_gmt":"2015-09-26T23:55:59","slug":"wie-die-spanier-ihr-land-von-moslems-befreiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norkhosq.net\/?p=27130","title":{"rendered":"Wie die Spanier ihr Land von Moslems befreiten"},"content":{"rendered":"<div>\n<figure style=\"width: 447px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/img.welt.de\/img\/geschichte\/crop146044256\/9189598586-ci3x2l-w540-aoriginal-h360-l0\/Spain-Ferdinand-II-and-Isabel-I-Spain-s-Catholic-Monarchs-who-reconquered-Grenada-and-persecuted-or-expelled-Muslims-and-Jews.jpg\" alt=\"\" width=\"447\" height=\"298\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">  Die Katholischen K\u00f6nige, wie sie sich nannten, Ferdinand von Aragon (1452-1516) und Isabella von Kastilien (1451-1504) machten den siegreichen Abschluss der Reconquista zur Leitlinie ihrer Politik. Foto: pa\/CPA Media Co.\/CPA Media\/Pictures From History <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article146875226\/Wie-die-Spanier-ihr-Land-von-Moslems-befreiten.html\" target=\"_blank\">www.welt.de<\/a> &#8211; \u00dcber 600 Jahre hinweg hatten muslimische Reiche weite Teile Spaniens  kontrolliert. Doch Ende des 15. Jahrhunderts blieb den Arabern nur noch  Granada. Wie hatten die Katholischen K\u00f6nige das geschafft?<\/p>\n<p id=\"p0\" style=\"text-align: left;\">Die Hochzeit fand  unter konspirativen Umst\u00e4nden statt. Als harmlose H\u00e4ndler verkleidet,  trafen die Brautleute am 14. Oktober 1469 in der nordspanischen Stadt  Valladolid ein. Prinzessin Isabella von Kastilien (18) und ihr ein Jahr  j\u00fcngerer Br\u00e4utigam Kronprinz Ferdinand von Arag\u00f3n sollten nach dem  Willen der Eltern ganz andere Ehen schlie\u00dfen, denn die spanischen  Teilk\u00f6nigreiche waren seit Jahrhunderten verfeindet. <!--more-->Doch eine  weitsichtige, kastilische Oppositionsgruppe unter F\u00fchrung des  Erzbischofs von Toledo, Alfonso Carrillo, arrangierte heimlich die am  19. Oktober 1469 geschlossene Ehe. Sie sollte nicht nur Spaniens  weiteren Werdegang, sondern den Verlauf der Weltgeschichte ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p id=\"p1\" style=\"text-align: left;\">Im  12.\/13. Jahrhundert hatte Spanien eine Bewegung durchlebt, die  &#8222;Reconquista&#8220; (Wiedereroberung) genannt wurde. Die christlichen  K\u00f6nigreiche im Norden wollten das Land von den Arabern befreien, die <a name=\"_art_link_\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article113258613\/Der-erste-Sturmangriff-des-Islam-auf-Westeuropa.html\">ab 711 weite Teile der Halbinsel unter ihre Herrschaft<\/a> gebracht hatten. Zun\u00e4chst verlief diese Reconquista erfolgreich. 1232  wurde das m\u00e4chtige Emirat von C\u00f3rdoba erobert, 1241 geschah dasselbe mit  Murcia und 1248 mit Sevilla.<\/p>\n<p id=\"p2\" style=\"text-align: left;\">Nur das <a name=\"_art_link_\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article115521400\/Als-Muslime-und-Juden-eine-Symbiose-eingingen.html\">Emirat Granada im S\u00fcden Spaniens<\/a> blieb moslemisch. Zu ihm geh\u00f6rten gr\u00f6\u00dfere St\u00e4dte wie M\u00e1laga, Almer\u00eda  und Marbella. Ab 1257 lie\u00df der Emir Granada zur uneinnehmbaren Festung  ausbauen. Ein Mauerkranz mit 1030 Wehrt\u00fcrmen und dem Alhambra-Palast im  Zentrum sch\u00fctzte die Stadt mit ihren fast 400.000 Einwohnern. Im ganzen  Land wurden dar\u00fcber hinaus mehr als 50 Kastelle aus festem Mauerwerk  angelegt.<\/p>\n<figure style=\"width: 456px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/img.welt.de\/img\/geschichte\/crop146875223\/3209735919-ci3x2l-w540\/DWO-KU-hist-Karte-Reconquista-ikcw-01.jpg\" alt=\"\" width=\"456\" height=\"304\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Foto: Infografik Die Welt In mehreren Etappen drangen die christlichen Reiche auf der Iberischen Halbinsel nach S\u00fcden vor <\/figcaption><\/figure>\n<p id=\"p3\" style=\"text-align: left;\">Weil die beiden  christlichen K\u00f6nigreiche Kastilien und Arag\u00f3n einander h\u00e4ufig  befehdeten, blieb Granada 200 Jahre lang von Angriffen weitgehend  verschont. Das \u00e4nderte sich ab 1469 durch die anfangs geschilderte  Hochzeit. Nachdem Isabella 1474 K\u00f6nigin von Kastilien geworden war,  vereinigten sich die beiden Reiche f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter zum Land Spanien.  In diesem christlichen K\u00f6nigreich steckte das islamische Emirat Granada  wie ein Fremdk\u00f6rper.<\/p>\n<p id=\"p4\" style=\"text-align: left;\">Isabella  und Ferdinand leisteten den heiligen Schwur, ganz Spanien von den  &#8222;mud\u00e9jares&#8220; (Mauren oder Moslems) zu befreien. Wobei die K\u00f6nigin sicher  die treibende Kraft war.<\/p>\n<p id=\"p5\" style=\"text-align: left;\">Die  1451 geborene Isabella, Tochter des K\u00f6nigs Juan II. von Kastilien, wird  schon im jugendlichen Alter als beharrlich, gr\u00fcndlich und  gottesf\u00fcrchtig, aber auch als eitel charakterisiert. Ihre \u00e4u\u00dfere  Erscheinung beherrschten die blaugr\u00fcnen Augen, jene ber\u00fchmten &#8222;ojos  garzos&#8220; der Dynastie Trast\u00e1mara. Ihr heller Teint und das rotblonde Haar  lie\u00dfen die mittelgro\u00dfe, etwas gedrungene Statur vergessen.  &#8222;Wahrscheinlich war mehr ihr Wesen, ihre Pers\u00f6nlichkeit, das Anziehende  an ihr, ebenso ihre Aura von Noblesse und W\u00fcrde&#8220;, schreibt die <a name=\"_art_link_\" href=\"http:\/\/www.marita-panzer.de\/\" target=\"_blank\">Historikerin Marita A. Panzer<\/a> in ihrem Essay &#8222;Das Katholische K\u00f6nigspaar&#8220;.<\/p>\n<p id=\"p6\" style=\"text-align: left;\">Isabellas  Gemahl Ferdinand zeigte eher eine schillernde Pers\u00f6nlichkeit.  &#8222;Unaufrichtig, derb, listenreich, habgierig, misstrauisch und  rachs\u00fcchtig, aber auch energisch, unerm\u00fcdlich und mannhaft, wohingegen  Isabella Gro\u00dfmut und tiefe, pers\u00f6nliche Fr\u00f6mmigkeit mit Zielstrebigkeit,  Phantasie und Entscheidungsfreude vereinte&#8220;, schreibt Panzer.<\/p>\n<p id=\"p7\" style=\"text-align: left;\">Zu  diesen Unterschieden im geistigen Niveau kam die Tatsache, dass  Kastilien in jeder Hinsicht bedeutender war als Arag\u00f3n. Um 1500 lebten  hier sechs Millionen Menschen, in Arag\u00f3n kaum eine Million. Die  wirtschaftliche Entwicklung des auch territorial wesentlich gr\u00f6\u00dferen  Kastiliens war viel weiter fortgeschritten als im Nachbarland. Das  erm\u00f6glichte dem K\u00f6nigspaar den Unterhalt einer schlagkr\u00e4ftigen Armee.<\/p>\n<div class=\"mceTemp mceIEcenter\" style=\"text-align: left;\">\n<dl class=\"wp-caption aligncenter\" style=\"width: 310px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" \" src=\"http:\/\/img.welt.de\/img\/geschichte\/crop146875224\/7866601966-ci3x2s-w300-ai2x3l\/Ritter-vor-Granada-1492-Bildteppich.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Foto: picture-alliance \/ akg-images \/ Mit einem Heer von 10.000 Reitern und 16.000 Fu\u00dfsoldaten begann der Angriff auf das Emirat Granada <\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<p id=\"p8\" style=\"text-align: left;\">Der seit 1464  regierende Emir von Granada Abul Hassan lieferte in v\u00f6lliger  Fehleinsch\u00e4tzung dieses Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses seinen Feinden einen  Kriegsgrund. 1481 griff er die spanische Festungsstadt Zahara de la  Sierra nahe C\u00e1diz an, die durch den Orden der Ritter von Santiago  verteidigt wurde. Daraufhin stellte das K\u00f6nigspaar ein Heer von 10.000  Reitern und 16.000 Fu\u00dfsoldaten sowie umfangreicher Artillerie auf und  begann das Emirat systematisch zu belagern.<\/p>\n<p id=\"p9\" style=\"text-align: left;\">Abul  Hassan wurde schon 1482 von seinem 20-j\u00e4hrigen Sohn Mohammed XII. Abu  Abdallah gest\u00fcrzt, der den Krieg weiterf\u00fchrte. &#8222;Beeinflusst durch die  Eingebungen seiner Berater, seiner furchtbaren Mutter Fatima und wohl  auch durch das Volk von Granada selbst, lie\u00df er sich auf einen  schicksalhaften Kampf gegen die Spanier ein&#8220;, res\u00fcmiert der <a name=\"_art_link_\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/David_Nicolle\" target=\"_blank\">britische Historiker David Nicolle<\/a>.<\/p>\n<p id=\"p10\" style=\"text-align: left;\">Was  die Mauren nicht einkalkulierten, war die Nutzlosigkeit ihrer m\u00e4chtigen  Festungsw\u00e4lle gegen die neuen Gesch\u00fctze. Spaniens Feldherrn Rodrigo  Ponce de Le\u00f3n und Enrique de Guzm\u00e1n schossen mit ihren Kanonen eine  Stadt nach der anderen sturmreif. Als erste fiel schon 1482 die zentral  gelegene Festung Alhama. Das Emirat war dadurch in zwei H\u00e4lften geteilt.  Im Juni 1485 wurde Marbella erobert, im August 1487 folgte M\u00e1laga und  Ende 1489 Almer\u00eda.<\/p>\n<p id=\"p11\" style=\"text-align: left;\">Im  April 1491 begann die Belagerung von Granada. Ihre Mauern trotzten der  spanischen Artillerie lange. Au\u00dferdem machte Abu Abdallah, den die  Christen &#8222;Boabdil&#8220; nannten, mehrere tollk\u00fchne Ausf\u00e4lle mit seinen  Kriegern, die jedes Mal gr\u00f6\u00dfere Verwirrung stifteten. Isabella und  Ferdinand nahmen seit dem Jahresende pers\u00f6nlich am Kriegsgeschehen teil.<\/p>\n<figure style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/img.welt.de\/img\/geschichte\/crop146875222\/6606601966-ci3x2s-w300-ai2x3l\/Columbus-at-the-court-of-Barcelona-Christopher-Columbus-standing-before-the-Kin.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Foto: picture alliance \/ United Archiv So darf man sich wohl Kolumbus am Hof Isabellas und Ferdinands vorstellen <\/figcaption><\/figure>\n<p id=\"p12\" style=\"text-align: left;\">Als das  christliche Heerlager durch ein Ungl\u00fcck niederbrannte, lie\u00dfen sie  westlich von Granada eine ganze Stadt aus dem Boden stampfen, die sie  Santa Fe (heiliger Glaube) tauften. Hier empfing K\u00f6nigin Isabella am 27.  April 1491 einen Mann mit hochfliegenden Pl\u00e4nen: Christoph Kolumbus. Er  war ihr schon im Mai 1486 zum ersten Mal begegnet.<\/p>\n<p id=\"p13\" style=\"text-align: left;\">Obwohl  Spaniens Staatskasse aufgrund des Maurenkrieges fast leer war, sicherte  Isabelle ihre finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kolumbus&#8216; Entdeckungsfahrt  nach Indien zu, wenn nur erst Granada gefallen sei. Sie wollte sogar  gro\u00dfe Teile ihres pers\u00f6nlichen Schmucks verpf\u00e4nden, um Mittel f\u00fcr die  Reise aufzubringen. Den Weitblick der 40-j\u00e4hrigen Monarchin kann man nur  bewundern, denn f\u00fcnf Jahre zuvor war eine Kommission aus  Naturwissenschaftlern und Theologen der Universit\u00e4t Salamanca zu dem  Ergebnis gelangt, ein derartiges Unternehmen sei zum Scheitern  verurteilt.<\/p>\n<p id=\"p14\" style=\"text-align: left;\">In  Granada erkannte Emir Boabdil die hoffnungslose Lage. Gegen den  Widerspruch seiner Gener\u00e4le bot er die Kapitulation an. Am 2. Januar  1492 \u00fcberreichte er Isabella und Ferdinand unterw\u00fcrfig die Torschl\u00fcssel  von Granada. Vier Tage sp\u00e4ter zog das K\u00f6nigspaar triumphal in die nun  wieder christliche Stadt ein. Spanien war nach fast 800 Jahren ein  geeintes Land geworden.<\/p>\n<figure style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/img.welt.de\/img\/geschichte\/crop146875225\/9299736128-ci3x2l-w540\/Spain-The-Capitulation-of-Granada-Muhammad-XII-before-Ferdinand-and-Isabella.jpg\" alt=\"\" width=\"424\" height=\"282\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Foto: picture alliance \/ CPA Media Co. Am 2. Januar 1492 \u00fcberreichte Emir Boabdil Isabella und Ferdinand die Torschl\u00fcssel von Granada <\/figcaption><\/figure>\n<p id=\"p15\" style=\"text-align: left;\">Den  unterworfenen Mauren wurde Glaubensfreiheit zugesichert. Aber der Geist  der Toleranz konnte sich nicht lange gegen den Kreuzzugseifer halten,  der die Reconquista vorangetrieben hatte. Bereits am 31. M\u00e4rz 1492  hatten die katholischen K\u00f6nige das Dekret ihres Generalinquisitors Tom\u00e1s  de Torquemade unterschrieben, nach dem alle Juden das Land zu verlassen  hatten, wenn sie nicht zum Christentum konvertierten. Rund 40- bis  50.000 Sepharden verlie\u00dfen das Land.<\/p>\n<p id=\"p16\" style=\"text-align: left;\">1502  wurden die Mauren vor die Wahl gestellt: Taufe oder Emigration. Das  Gros w\u00e4hlte die Konversion, argw\u00f6hnisch be\u00e4ugt von der Inquisition, die  \u00fcber die Reinhaltung des Glaubens in Kastilien und Arag\u00f3n wachte. 1609  wurden schlie\u00dflich Hunderttausende dieser &#8222;Moriscos&#8220; vertrieben.<\/p>\n<p id=\"p17\" style=\"text-align: left;\">Ihre  Sonnenseite fand die Reconquista im Westen. Ende April 1492 versorgte  die K\u00f6nigin Kolumbus mit dem n\u00f6tigen Geld und der Ausstattung f\u00fcr seine  Entdeckungsfahrt. Denn wenn der k\u00fchne Mann recht h\u00e4tte, so ihre  \u00dcberlegung, dann b\u00f6te sich hier eine Chance, dem gro\u00dfen kolonialen  Konkurrenten Portugal nebst seinen Eroberungen in Afrika und Asien etwas  Ebenb\u00fcrtiges an die Seite zu stellen.<\/p>\n<p id=\"p18\" style=\"text-align: left;\">Sieben  Monate nach der Eroberung von Granada brach Kolumbus von Spanien aus zu  seiner gro\u00dfen Seefahrt auf. Sie sollte die Welt ver\u00e4ndern.<\/p>\n<div>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article146875226\/Wie-die-Spanier-ihr-Land-von-Moslems-befreiten.html\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #888888;\">www.welt.de<\/span><\/a><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>www.welt.de &#8211; \u00dcber 600 Jahre hinweg hatten muslimische Reiche weite Teile Spaniens kontrolliert. Doch Ende des 15. Jahrhunderts blieb den Arabern nur noch Granada. 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