{"id":27149,"date":"2015-10-02T11:55:44","date_gmt":"2015-10-02T09:55:44","guid":{"rendered":"http:\/\/norkhosq.net\/?p=27149"},"modified":"2015-10-02T12:00:06","modified_gmt":"2015-10-02T10:00:06","slug":"der-stille-volkermord-das-schweigen-angesichts-der-christenverfolgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norkhosq.net\/?p=27149","title":{"rendered":"Der stille V\u00f6lkermord: Das Schweigen angesichts der Christenverfolgung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.michaelhesemann.info\/data\/kundendaten\/262923\/Iranian-Assyrians.jpg\" alt=\"\" width=\"468\" height=\"262\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>Diesen Vortrag sollte Michael Hesemann am 24. September 2015  auf einer &#8222;B\u00fcrger-Talkshow&#8220; zur Fl\u00fcchtlingsfrage halten. Leider musste  die Veranstaltung abgesagt werden, nachdem der Betreiber der  Austragungsst\u00e4tte von linken Antifa-Chaoten massiv bedroht worden war.  Der Grund: EINER der drei Diskussionsteilnehmer, der D\u00fcsseldorfer  Rechtsanwalt Alexander Heumann, hatte im Dezember 2014 eine  islamkritische Demo organisiert. Die B\u00fcrger-Talkshow hatte sich auf die  Fahne geschrieben, ALLE Seiten zu h\u00f6ren und offen mit Kritikern wie  Bef\u00fcrwortern der Asylpolitik der Bundeskanzlerin in Dialog zu treten.<br \/>\nHesemann war dabei als Advokat der verfolgten Christen und der  christlichen Fl\u00fcchtlinge eingeladen. Hier sein Vortrag, der nie gehalten  wurde:<!--more--><\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Geschichte des Islam ist mit der des Christentums kaum zu vergleichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Was das Christentum ausmacht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jesus von Nazareth verk\u00fcndete drei Jahre lang sein Evangelium, bevor er  sich ohne Widerstand von seinen Gegnern verhaften, foltern, verurteilen  und hinrichten lie\u00df.<br \/>\nEr besiegte den Tod wie den Unglauben, indem er am dritten Tag von den Toten auferstand.<br \/>\nSeine J\u00fcnger gingen daraufhin hinaus in alle Welt, um die Menschen f\u00fcr  den neuen Glauben zu gewinnen. Wer von ihren Worten und Taten \u00fcberzeugt  war, wurde getauft und damit in die neue Gemeinschaft aufgenommen. Dabei  stie\u00dfen die Apostel auf allerlei Widerstand. Sie wurden allesamt  mehrfach inhaftiert, gefoltert und erlitten fast ausnahmslos das  Martyrium.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Den jungen Gemeinden ging es kaum besser. Im Jahre 64 etwa holte der  r\u00f6mische Kaiser Nero zum gro\u00dfen Vernichtungsschlag gegen die r\u00f6mische  Gemeinde aus; Hunderte wurden gekreuzigt und mit Teer \u00fcbersch\u00fcttet, um  als lebendige Fackeln die neronischen G\u00e4rten zu beleuchten. Andere  wurden in der Arena den L\u00f6wen vorgeworfen. Auch sp\u00e4tere Kaiser wie  Domitian, Decius, Valerian und insbesondere Diokletian verfolgten die  Christen. Allein der diokletianischen Verfolgung im Jahre 303 fielen  allen in \u00c4gypten \u00fcber 800.000 Christen zum Opfer. Die ganze Zeit \u00fcber  gaben sich die Christen v\u00f6llig gewaltlos ihren Verfolgern hin; sie  w\u00e4hlten die Nachfolge Christi in der \u00dcberzeugung, dadurch Ewiges Leben  zu gewinnen. Erst als das Christentum 313 durch das Toleranzedikt von  Mailand zur <em>religio licita<\/em> und durch Theodosius 380 zur  Staatsreligion wurde, gab es Christen im Staatdienst und an der Waffe.  Seitdem d\u00fcrfen Christen trotz ihres Glaubens k\u00e4mpfen, wenn der Krieg ein  gerechter, also ein Verteidigungs- oder Pr\u00e4ventionskrieg ist. Es ist  und war ihnen aber immer verboten, mit gewaltt\u00e4tigen Mitteln ihren  Glauben zu verbreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Was den Islam ausmacht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anders der Islam. Seitdem der \u201eProphet\u201c Muhammad im Jahre 622 von seinen  Gegnern aus Mekka vertrieben wurde, wurden seine \u201eSuren\u201c &#8211; angebliche  Offenbarungen Gottes, die sp\u00e4tere Anh\u00e4nger im Qur\u2019an zusammenfassten \u2013  immer gewaltverherrlichender. In seiner neuen Heimat Medina sammelte er  Anh\u00e4nger, mit denen er einen Zerm\u00fcrbungskrieg gegen Mekka begann. Nach  mehreren \u00dcberf\u00e4llen auf mekkanische Karawanen und einer siegreichen  Feldschlacht gegen mekkanische Truppen kam es zur kampflosen Einnahme  der Stadt. Die j\u00fcdischen St\u00e4mme der benachbarten Oasen sollten zun\u00e4chst  die H\u00e4lfte ihrer Ernte als Schutzgeld an die Muslime abzutreten \u2013 ein  F\u00fcnftel davon an Muhammad pers\u00f6nlich. Sp\u00e4ter forderte Muhammad sie  dreimal auf, sich zum Islam zu bekehren. Als sie sich weigerten, wurden  sie entweder vertrieben oder massakriert; nur die Frauen und Kinder  verschonte man und machte sie zu Sklaven.<br \/>\nNachdem er sich in Mekka etabliert hatte, schrieb Muhammad Briefe an den  Kaiser in Konstantinopel, den Schah von Persien, den Gouverneur von  \u00c4gypten, den K\u00f6nig von Ghassan und den Negus von \u00c4thiopien, die er  aufforderte, sich zum Islam zu bekehren. Ihr Inhalt war stets derselbe:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>\u201eIch lade dich zum Islam ein. Akzeptiere den Islam und du wirst  sicher sein. Gott wird dir eine doppelte Belohnung zukommen lassen. Wenn  du dich aber von der Botschaft Gottes trennst, wirst du die S\u00fcnden  aller deiner Anh\u00e4nger tragen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als diese Einladung mal mehr, mal weniger h\u00f6flich abgelehnt wurde,  schickte Muhammad seine Truppen los. So ist der erste historische Beleg  f\u00fcr die Existenz des \u201ePropheten\u201c ausgerechnet eine syrische Chronik,  verfasst von Thomas dem Presbyter um 640, in der es hei\u00dft: \u201eAm 4.  Februar 634 (tats\u00e4chlich: 630) am fr\u00fchen Morgen fand ein Kampf zwischen  den Byzantinern und den Arabern Mohammeds statt.\u201c<br \/>\nDieser von Mohammed gef\u00fchrte Feldzug fand in den oft zitierten Versen der Sure 9 (<em>At-Tauba<\/em>) als Kriegserkl\u00e4rung an die nichtmuslimische Au\u00dfenwelt ihren Niederschlag:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>\u201eK\u00e4mpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den j\u00fcngsten  Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten  haben, und nicht der wahren Religion angeh\u00f6ren \u2013 von denen, die die  Schrift erhalten haben \u2013 (k\u00e4mpft gegen sie), bis sie kleinlaut aus der  Hand Tribut entrichten!\u201c\u2013<\/strong> 9:29<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieser und die darauf folgenden Verse fordern vor dem Hintergrund der  Ereignisse des Jahres 630 dazu auf, auch die Christen zu bek\u00e4mpfen, bis  sie \u201efreiwillig\u201c die Dschizya, eine Art Schutzgeld, entrichteten.<br \/>\nZwei Jahre nach diesem ersten Beutezug im Namen des Islam starb  Muhammad. Er war zugleich der Startschuss zu der sogenannten islamischen  Expansion. Innerhalb von nur 80 Jahren eroberten Muslime ganz  Nordafrika und Spanien sowie den gesamten Vorderen Orient. Zu Hilfe kam  ihnen dabei die Uneinigkeit der Christen. Oft genug zogen  monophysitische Christen die scheinbare Toleranz des Islam der  Verfolgung als H\u00e4retiker durch orthodoxe Gl\u00e4ubige sowie den hohen  Steuern der Byzantiner vor. Ein Fehler mit verheerenden Folgen: Denn  kaum hatten sie sich freiwillig unterworfen, begannen die Schikanen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die sogenannten \u201eUngl\u00e4ubigen\u201c galten nun als \u201eSchutzbefohlene\u201c  (dhimmies) mit stark beschr\u00e4nkten Rechten, die eine spezielle Kopfsteuer  (besagtes Schutzgeld, die Dschizya) bezahlen mussten. Ihnen wurde  verboten, ihren Glauben in der \u00d6ffentlichkeit auszu\u00fcben, auch der Neubau  von Kirchen war untersagt. Sie durften keine Waffen tragen und kein  Pferd reiten, mussten oft bestimmte Kleidung in speziellen Farben  tragen. Vor Gericht galt ihre Aussage wenig, kein Moslem konnte  ihretwegen verurteilt werden, selbst ein Mord an einem Christen wurde  nicht bestraft. Diese Schikanen sollten die Christen n\u00f6tigen, den Islam  anzunehmen, was zu einer allm\u00e4hlichen Islamisierung f\u00fchrte. Aufst\u00e4nde,  von denen es allein in \u00c4gypten zwischen 725 und 773 sechs gab, wurden  blutig niedergeschlagen, Kirchen immer wieder gepl\u00fcndert und zerst\u00f6rt.  Mein Buch \u201eJesus in \u00c4gypten\u201c liefert eine ganze Chronik solch  gewaltsamer \u00dcbergriffe, die sich wie eine Blutspur durch die ganze  j\u00fcngere Geschichte der koptischen Kirche erstrecken. So wurden unsere  Br\u00fcder und Schwestern im Orient zu einer wahren Kirche der M\u00e4rtyrer \u2013  und das bis in die Gegenwart hinein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>1400 Jahre Christenverfolgung im Islam<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Christenverfolgung im Islam ist also kein modernes Ph\u00e4nomen. Sie ist so  alt wie diese Religion selbst. Nicht erst heute, unter dem islamischen  Staat, werden unsere Br\u00fcder und Schwestern im Orient diskriminiert und  massakriert, sondern seit beinahe 1400 Jahren. Ja, es gab immer wieder  Phasen der Toleranz, aber auch Phasen des Fundamentalismus. Ein  gleichwertiges Zusammenleben der Religionen aber wurde in der  islamischen Welt erst im 20. Jahrhundert m\u00f6glich \u2013 etwa unter  sozialistischen Regimen wie Nasser in \u00c4gypten oder der Baath-Partei in  Syrien und im Irak. Ausgerechnet jenen Regierungen freilich, die wegen  ihrer gro\u00dfen N\u00e4he zu Russland im Westen der \u201eAchse des B\u00f6sen\u201c  zugerechnet wurden.<br \/>\nEs ist leider eine traurige Tatsache, dass der Westen immer dann \u00fcber  die Verfolgung und Ermordung von Christen im Nahen Osten schweigt, wenn  dies als politisch opportun erscheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Verschwiegen: Der V\u00f6lkermord an den Armeniern und Assyrern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So war es, als der osmanische Sultan in den Jahren 1894-96 im Osten der  heutigen T\u00fcrkei diverse Massaker gegen christliche Armenier anordnete,  deren einziges Vergehen es war, Rechte und Mitbestimmung zu fordern;  beinahe 300.000 fielen diesen Blutb\u00e4dern zum Opfer, doch ausgerechnet  der deutsche Kaiser, der treueste Freund des Sultans, ordnete  Stillschweigen an. Nach dem Sultan ergriffen in der T\u00fcrkei die sog.  Jungt\u00fcrken die Macht, deren Ideologie der des sp\u00e4teren Faschismus  \u00e4hnelte. Sie wollten die T\u00fcrkei ethnisch und religi\u00f6s homogenisieren und  massakrierten im 1. Weltkrieg Hunderttausende m\u00e4nnliche armenische und  syrische Christen, w\u00e4hrend ihre Frauen, Kinder und Greise auf endlose  Todesm\u00e4rsche quer durch das anatolische Bergland in die syrische W\u00fcste  geschickt und auf dem Weg immer wieder \u00fcberfallen, ausgeraubt und  vergewaltigt wurden. Andere Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei  verkauft; 1,5 Millionen Armenier und etwa 300.000 syrische Christen  fielen diesem ersten V\u00f6lkermord des 20. Jahrhunderts zum Opfer. Und  Deutschland? \u201eWir m\u00fcssen die T\u00fcrken als Verb\u00fcndete an unserer Seite  halten, bis der Krieg zuende ist, auch wenn Armenier dar\u00fcber zugrunde  gehen\u201c, erkl\u00e4rte der deutsche Reichskanzler Bethmann-Hollweg dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Papst Franziskus am 12. April dieses Jahres zum 100. Jahrestag der  ersten dieser Deportationen gemeinsam mit den drei armenischen  Patriarchen eine Gedenkfeier im Petersdom zelebrierte, blieb  ausgerechnet die deutsche Vatikanbotschafterin Annette Schavan ihr  demonstrativ fern. Frau Merkel hatte zuvor den V\u00f6lkermord an den  Armeniern als \u201ebilaterale Angelegenheit zwischen Armenien und der  T\u00fcrkei\u201c bezeichnet und jede deutsche Mitschuld durch demonstratives  Wegschauen bestritten. Au\u00dfenminister Steinmeier bezeichnete sogar die  \u201eSprachlosigkeit\u201c zwischen den beiden Nationen als das \u201eeigentliche  Problem\u201c, so als m\u00fcssten die Opfer eines V\u00f6lkermordes ihre M\u00f6rder erst  noch um Entschuldigung bitten. Auf mein Schreiben hin machte sich sein  Staatsminister Michael Roth ganz die Position Ankaras zu Eigen, zun\u00e4chst  m\u00fcsse eine \u2013 nat\u00fcrlich von Erdogan berufene \u2013 Historikerkommission  kl\u00e4ren, was 1915 eigentlich geschah, auch wenn die Aussage aller  bekannten Dokumente dazu, von denen ich allein 3000 im Vatikanarchiv  entdeckte, mehr als eindeutig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So wenig sich die Bundesregierung um Gerechtigkeit f\u00fcr die Opfer des  V\u00f6lkermordes von 1915 bem\u00fcht, so wenig engagiert sie sich f\u00fcr die Opfer  der modernen Christenverfolgung in Syrien und im Irak, die erneut die  Dimensionen eines V\u00f6lkermordes angenommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Situation der Christen im Irak<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beginnen wir mit dem Irak. Das Evangelium wurde ab 30 n.Chr. durch die  Apostel Judas Thaddaeus und Thomas den Assyrern verk\u00fcndet,\u00a0 was zu einer  Massenbekehrung f\u00fchrte. Seit dem 1. Jahrhundert ist Nordmesopotamien  Zentrum einer christlichen Kultur, die eine umfangreiche Literatur in  aram\u00e4ischer Sprache hervorbrachte. Seit der islamischen Eroberung wurden  die assyrischen Christen speziell wegen ihrer \u00c4rzte und Wissenschaftler  erst hoch gesch\u00e4tzt, dann, seit dem 14. Jahrhundert, aber auch immer  wieder zu Opfern von Massakern und Verfolgungen. Allein die Eroberung  des Landes durch den T\u00fcrken Tamerlan f\u00fchrte zur Enthauptung von 160.000  christlichen Assyrern in Bagdad und Tikrit.\u00a0 Trotzdem lebten speziell im  Norden des Irak noch im Jahre 2003 \u00fcber 1,5 Millionen Christen, 8 % der  Bev\u00f6lkerung. Unter Saddam Hussein waren ihre politischen Ambitionen  zwar unterdr\u00fcckt worden, es herrschte aber Religionsfreiheit. Auch  Vizepr\u00e4sident Tariq Aziz war Christ.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die amerikanische Besetzung des Irak im Jahre 2003 machte den Weg frei  f\u00fcr einen blutigen B\u00fcrgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten und  einseitige Gewalt gegen die Christen. Eine Reihe von Gewaltakten f\u00fchrte  zu einem Massenexodus, sodass ihre Zahl bis 2012 auf 450.000, bis heute \u2013  durch das Vordringen des IS &#8211; auf ca. 100.000 sank. Es kam zu Angriffen  auf Kirchen mit Dutzenden Toten. Zwischen 2006 und 2008 wurden drei  Priester, drei Diakone und zwei Erzbisch\u00f6fe entf\u00fchrt, gek\u00f6pft und  verst\u00fcmmelt, weil sie sich weigerten, zum Islam zu konvertieren. Allein  im Januar 2008 explodierten Bomben vor neun Kirchen. 2010 wurden  Menschen auf den Stra\u00dfen von Mossul angehalten, nach ihrem Pass gefragt  und auf der Stelle erschossen, wenn sie einen assyrischen oder  aram\u00e4ischen Namen trugen. Im Oktober 2010 wurden 58 Gl\u00e4ubige und ihr  Priester bei einem \u00dcberfall auf die assyrisch-katholische Kirche von  Bagdad ermordet. Verantwortlich zeichnete der Islamische Staat Irak, der  die Christen als \u201elegitimes Ziel\u201c bezeichnete. Im November begann der  Beschuss des assyrischen Stadtviertels von Bagdad mit Bomben und  M\u00f6rsergranaten. Berichte von Massenenthauptungen von M\u00e4nnern, aber auch  von schwangeren Frauen und Kindern machten die Runde. Wer es sich  leisten konnte, floh ins Ausland, die \u00c4rmeren in den Norden des Landes,  etwa in das kurdisch kontrollierte Arbil.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2014 erlie\u00df der IS ein Dekret, dass jeder Christ eine Dschizya von $  470,&#8211; zahlen, sich zum Islam bekehren oder sterben solle. Ihre H\u00e4user  wurden mit dem arabischen Buchstaben Nun f\u00fcr \u201eNassarah\u201c=Christen  gekennzeichnet. Zwei Wochen sp\u00e4ter erkl\u00e4rte der IS, es bliebe den  Christen nur noch die Alternative Flucht oder Tod. Ihre H\u00e4user wurden  konfisziert, die Fliehenden noch ihrer G\u00fcter beraubt. Einige Dutzend,  die zur\u00fcckblieben, wurden gezwungen, das islamische Glaubensbekenntnis  zu sprechen, um danach ohne Bet\u00e4ubung beschnitten zu werden.\u00a0Wie der  Chald\u00e4isch-katholische Patriarch Louis Sako erkl\u00e4rte, blieb in Mossul  zum ersten Mal in den letzten 2000 Jahren kein Christ zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Situation der Christen in Syrien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00c4hnlich katastrophal entwickelte sich die Situation f\u00fcr die Christen in  Syrien, das vor dem \u201earabischen Fr\u00fchling\u201c als das Land mit dem h\u00f6chsten  Grad an Religionsfreiheit im ganzen arabischen Nahen Osten galt \u2013 ein  Paradies f\u00fcr die Christen, die, frei von aller Diskriminierung, ihren  Glauben auch \u00f6ffentlich praktizieren konnten, stets unter dem Schutz der  laizistischen Assad-Regierung. Sie machten etwa 10 % der Bev\u00f6lkerung  aus. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung nach meinen Gespr\u00e4chen mit  drei syrischen Patriarchen, Dutzenden Bisch\u00f6fen und Priestern und \u00fcber  Hundert Gl\u00e4ubigen versichern, dass die meisten Christen noch heute nicht  nur treu zur Assad-Regierung stehen, sondern den Pr\u00e4sidenten auch von  all den angeblichen Kriegsverbrechen freisprechen, die ihm in den  westlichen Medien unterstellt werden. So gibt es nicht den geringsten  Beweis f\u00fcr den Einsatz von Giftgas durch Regierungstruppen. Nat\u00fcrlich  k\u00e4mpft die Regierung gegen die islamistischen Terroristen, die Dank  ausl\u00e4ndischer Unterst\u00fctzung mittlerweile einen Gro\u00dfteil des Landes  kontrollieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00e4hrend westliche Medien gerne die Legende von einer \u201efriedlichen,  demokratischen Opposition\u201c in Syrien verbreiten, zeichnet ein  Geheimbericht des US-Verteidigungsnachrichtendienstes DIA von August  2012, der im Mai 2015 per Gerichtsbeschluss \u2013 wenn auch stark zensiert &#8211;  freigegeben werden musste, ein ganz anderes Bild. Darin hei\u00dft es  w\u00f6rtlich: \u201eIntern nehmen die Ereignisse deutlich Z\u00fcge eines  Religionskrieges an. Die Salafisten, die Moslem-Bruderschaft und die  al-Qaeda Irak sind die Hauptkr\u00e4fte hinter den Aufst\u00e4nden in Syrien. Der  Westen, die Golfstaaten und die T\u00fcrkei unterst\u00fctzen die(se) Opposition,  w\u00e4hrend Russland, China und der Iran das (Assad-) Regime unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Christen wurden schon 2011 von den islamistischen Gruppen  angegriffen, weil sie sich nicht an den Protesten gegen Assad  beteiligten. Als die \u201eRebellen\u201c von der US-unterst\u00fctzten und in der  T\u00fcrkei ausgebildeten FSA \u2013 Free Syrian Army &#8211; das Dorf Yakubiyah im  Norden des Landes eroberten, flohen die dortigen armenischen Christen,  ihre Kirchen wurden zerst\u00f6rt, das Gel\u00e4nde als M\u00fcllkippe verwendet.  Alles, was die Armenier zur\u00fcckgelassen hatten, fiel Pl\u00fcnderern zum  Opfer.\u00a0 Die Katholiken wurden zun\u00e4chst verschont, um ein paar Monate  sp\u00e4ter ebenfalls ins Visier der \u201eRebellen\u201c zu geraten.\u00a0 Unter dem  Vorwand, auch sie seien Assad-Anh\u00e4nger, wurde ihr Besitz beschlagnahmt.  Im November 2013 berichtete ein Fl\u00fcchtling, es seien jetzt die letzten  Christen aus Yakubiyah geflohen, nachdem sechs ihrer Glaubensbr\u00fcder  gek\u00f6pft und 20 gekidnappt worden waren. Der Zeuge betonte, dass nicht  etwa der IS oder al-Nusra f\u00fcr diese Gr\u00e4ueltaten verantwortlich  zeichneten, sondern die US-finanzierte FSA. Tats\u00e4chlich berichteten auch  Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirche von einer \u201eandauernden  ethnischen Reinigung\u201c, einem V\u00f6lkermord an Christen durch die FSA. So  wurden 90 % der Christen aus der alten Bischofsstadt Homs von den  \u201eFarouq-Brigaden\u201c der FSA vertrieben, ihr Eigentum konfisziert. Nur die  katholischen Jesuiten durften bleiben. Von den einst 160.000 Christen,  die vor dem B\u00fcrgerkrieg in Homs leben, sind maximal 1000 bis heute  geblieben. Ihre Kirchen fielen dem Vandalismus der \u201eRebellen\u201c zum Opfer,  ihre Ikonen wurden gesch\u00e4ndet. Die ber\u00fchmteste Kirche der Stadt, der  Gottesmutter geweiht, wurde zur Gesch\u00fctzstellung der FSA.\u00a0 In Qusayr bei  Homs, wo vor dem Krieg 10.000 Christen lebten, wurde den Christen ein  Ultimatum gestellt, die Stadt zu verlassen. Die M\u00e4nner derer, die  blieben, wurden brutal ermordet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch als die FSA Ende 2012 Ras-ul-Ain am Euphrat einnahm, mussten die  assyrischen Christen der Stadt fliehen. Die syrisch-orthodoxe Kirche der  Stadt wurde gest\u00fcrmt und verw\u00fcstet.<br \/>\nIm November 2012 \u00fcberfielen FSA-Rebellen das armenische Viertel von  Aleppo und brannten die uralte St. Georgs-Kirche nieder. In der N\u00e4he der  Stadt wurden 10 Christen, darunter 7 Armenier, get\u00f6tet. In Damaskus  explodierte am gleichen Tag eine Bombe im armenischen Bezirk, die 10  Menschen t\u00f6tete und 50 verwundete.<br \/>\nAm 23. April 2013 wurden der griechisch-orthodoxe und der  syrisch-orthodoxe Erzbischof von Aleppo von einer FSA-Einheit  gekidnappt; ihr Schicksal ist nach wie vor unbekannt.<br \/>\nAm 23. Juni wurde der syrisch-katholische Priester Francois Murad von  FSA-Rebellen in Ghassaniyah ermordet, als er in einem  Franziskanerkloster Zuflucht suchte.<br \/>\nIm Oktober 2013 wurden 1500 christliche Familien in Sada bei Homs von  Rebellen der al-Nusra-Front als Geiseln festgehalten. 45 Christen,  darunter zwei Teenager, deren Mutter und drei Gro\u00dfeltern, wurden  ermordet, ihre Leichen in einen Brunnen geworden. Alte und Kranke wurden  gequ\u00e4lt und stranguliert.<br \/>\nIm M\u00e4rz 2014 \u00fcberfielen Islamisten die \u00fcberwiegend von Armeniern bewohnte Kleinstadt Kasab und vertrieben ihre 3500 Einwohner.<br \/>\nIm Juni 2014 vertrieb der IS Tausende Christen der Provinz Raqqa und konfiszierte ihr Eigentum.<br \/>\nIm Februar 2015 \u00fcberfiel der IS mit 40 Fahrzeugen die christlichen  D\u00f6rfer im Khabur-Tal, verw\u00fcstete Kirchen oder brannte sie nieder und  nahm Dutzende Christen als Geiseln. Tausende flohen daraufhin. Von den  einst 4000 Christen dieser bl\u00fchenden D\u00f6rfer blieben gerade einmal 300  zur\u00fcck.<br \/>\nAm 22. Mai 2015 wurde der katholische Ordensmann und Pfarrer Pater  Jacques Mourad, Leiter des Klosters Mar Elian, von \u201eRebellen\u201c entf\u00fchrt,  sein Begleiter ermordet.<br \/>\nIm August 2015 flohen Hunderte Christen aus Karjatain vor dem IS. 230  Christen waren zuvor als Geiseln festgenommen worden, darunter 60, die  sich in einer Kirche verschanzt hatten. 19 junge Frauen wurden  hingerichtet, weil sie nicht bereit waren, sich den IS-K\u00e4mpfern  hinzugeben. Das 1500 Jahre alte Kloster Mar Elian wurde zerst\u00f6rt. Wie  die amerikanische Menschenrechtsorganisation &#8222;Christian Freedom  International&#8220; vermeldete, funktionierte der IS eine andere christliche  Kirche in eine Folterkammer f\u00fcr Christen um, die dazu gezwungen werden  sollen, den Islam anzunehmen. Wer sich den Befehlen der Terrormilizen  widersetzte, wurde verst\u00fcmmelt oder gekreuzigt &#8211; darunter selbst  Kinder.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Mitschuld des Westens<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dieser unvollst\u00e4ndige \u00dcberblick mag gen\u00fcgen, um einen Eindruck vom Ernst  der Lage in Syrien zu vermitteln. Nicht eine einzige \u201eRebellen\u201cgruppe,  auch nicht die von den USA finanzierte, angeblich gem\u00e4\u00dfigte FSA,  verschont die Christen. Sollte es zu einem Sieg der \u201eRebellen\u201c im  syrischen B\u00fcrgerkrieg kommen, w\u00e4re ihr Schicksal besiegelt. Zusammen mit  den Alawiten, der Glaubensgemeinschaft, der Pr\u00e4sident Assad angeh\u00f6rt,  m\u00fcssten sie bestenfalls mit Vertreibung, wahrscheinlich aber auch mit  Massakern rechnen. Der 2000 Jahre alten Kirche Syriens, einer der Wiegen  der Christenheit, droht die Ausl\u00f6schung. Durch seine Unterst\u00fctzung \u2013  laut dem \u201eWall Street Journal\u201c vom 26. Juni 2014 wurden die \u201eRebellen\u201c  durch eine von Pr\u00e4sident Barack Hussein Obama unterzeichnete Executive  Order mit 500 Millionen Dollar finanziert \u2013 der islamistischen  Terrormilizen macht sich der Westen zum Financier eines neuen  V\u00f6lkermordes an syrischen und armenischen Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es w\u00fcrde den Rahmen dieser Veranstaltung sprengen, wenn ich jetzt noch  die Christenverfolgungen in Nigeria, Eritrea oder in Libyen erw\u00e4hnte.  Die schrecklichen Bilder der von IS-Schergen enthaupteten koptischen  Christen an der libyschen Mittelmeerk\u00fcste sind uns allen noch in  schrecklicher Erinnerung. Noch nie hat es so viele M\u00e4rtyrer gegeben wie  in unserer Zeit. Doch weil diese Veranstaltung die Fl\u00fcchtlingskrise zum  Thema hat, m\u00f6chte ich es beim Irak und Syrien belassen, den L\u00e4ndern, aus  denen ein Gro\u00dfteil der Fl\u00fcchtlinge stammen, die in diesen Tagen in  Scharen nach Europa str\u00f6men.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Was unsere Verantwortung ist<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich m\u00f6chte aber nicht die Gelegenheit vers\u00e4umen, zur Solidarit\u00e4t mit  ALLEN Fl\u00fcchtlingen, gleich welcher Konfession, aufzurufen. Der  B\u00fcrgerkrieg in Syrien und Irak ist das Produkt des \u201eArabischen  Fr\u00fchlings\u201c, den der Westen ausgel\u00f6st und unterst\u00fctzt hat. In seiner  politischen Ambition, \u00c4gyptens Mubarak, Libyens Ghaddafi oder Syriens  Assad zu entmachten, hat die westliche Politik diese L\u00e4nder ebenso wie  den Irak seit der US-Invasion von 2003 in Chaos und B\u00fcrgerkrieg  gest\u00fcrzt. Solange die islamistischen Terrorbrigaden von den USA, der  T\u00fcrkei, den Golfstaaten und den Saudis finanziert werden, wird auch der  B\u00fcrgerkrieg in Syrien nicht enden. F\u00fcr seinen Ausgang gibt es zwei  Alternativen. Siegen die Rebellen, wird Rache an allen genommen, die dem  alten Regime nahe standen: Es wird Massaker an Alewiten, Schiiten und  Christen geben. Darum ist die einzige L\u00f6sung, die Unterst\u00fctzung der  Terrorbrigaden sofort einzustellen und gemeinsam mit der  Assad-Regierung, die auf jeden Fall das kleinere \u00dcbel ist, die Ordnung  im Lande wiederherzustellen. Nur dann k\u00f6nnen die Fl\u00fcchtlinge wieder  heimkehren, nur dann w\u00e4ren die Christen in ihrer jahrtausendealten  Heimat wieder sicher.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir sind menschlich und moralisch verpflichtet, allen Fl\u00fcchtlingen  Zuflucht zu gew\u00e4hren. Das aber muss mit Herz und Verstand geschehen.  Dazu geh\u00f6rt, zu unterscheiden, wer wirklich in Not ist; Familien sollten  Vorrang vor einzelnen jungen M\u00e4nnern haben, bei denen oft nicht einmal  klar ist, ob es sich tats\u00e4chlich um syrische Fl\u00fcchtlinge oder vielleicht  um (ehemalige?) Angeh\u00f6rige der Terrorbrigaden handelt. Zudem pl\u00e4diere  ich f\u00fcr eine Trennung der Fl\u00fcchtlinge nach Religionszugeh\u00f6rigkeit.  Nicht, um jemanden zu diskriminieren, sondern um Diskriminierung in den  Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften, wie sie uns leider in vielen F\u00e4llen berichtet  wurde, zu vermeiden. Und nat\u00fcrlich, um die jeweiligen religi\u00f6sen  Bed\u00fcrfnisse zu ber\u00fccksichtigen und eine Seelsorge zu organisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Selbstverst\u00e4ndlich geb\u00fchrt allen Fl\u00fcchtlingen, die Opfer, keine T\u00e4ter  sind, unsere Solidarit\u00e4t und F\u00fcrsorge. Aber als Christen sollten wir am  Schicksal unserer Glaubensbr\u00fcder besonders Anteil nehmen. Auch das ist  genuin christliches Denken. \u201eLasst uns \u2026 allen Gutes tun, besonders aber  den Glaubensgenossen\u201c, lehrte schon der hl. Paulus (Gal 6,10). In einer  Zeit, in der wir die christlichen Wurzeln unserer Zivilisation zu  vergessen scheinen, k\u00f6nnen unsere christlichen Br\u00fcder und Schwestern aus  den Mutterl\u00e4ndern unseres Glaubens uns helfen, unser Wurzeln neu zu  entdecken. Ihre Fr\u00f6mmigkeit, ihr gelebter Glaube und ihr Gebet in der  Sprache Jesu kann uns alle nur bereichern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vor allem aber d\u00fcrfen wir nicht l\u00e4nger wegschauen, nicht verschweigen,  welches Leid unsere Glaubensgeschwistern in ihrer Heimat erdulden.  Totschweigen t\u00f6tet, das gilt in diesem Fall mehr denn je. Zurecht hat  Papst Franziskus die &#8222;Globalit\u00e4t der Indifferenz&#8220;, der kollektiven  Gleichg\u00fcltigkeit angeprangert, die den Terror erst m\u00f6glich macht und die  Christen im Nahen Osten ihren M\u00f6rdern ausliefert. Wenn wir schweigen,  wird ihr Blut \u00fcber uns kommen, werden wir mitschuldig an ihrem  Martyrium.\u00a0Ihr Schicksal sollte, ja darf uns nicht gleichg\u00fcltig sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/www.michaelhesemann.info\/8_4.html\">http:\/\/www.michaelhesemann.info<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Vortrag sollte Michael Hesemann am 24. September 2015 auf einer &#8222;B\u00fcrger-Talkshow&#8220; zur Fl\u00fcchtlingsfrage halten. 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