{"id":29965,"date":"2019-04-30T00:58:26","date_gmt":"2019-04-29T22:58:26","guid":{"rendered":"http:\/\/norkhosq.net\/?p=29965"},"modified":"2019-04-30T01:00:00","modified_gmt":"2019-04-29T23:00:00","slug":"michael-wolffsohn-relativiert-und-leugnet-den-volkermord-an-den-armeniern-indem-er-ihn-vollig-unnotig-in-konkurrenz-zum-holocaust-bringt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norkhosq.net\/?p=29965","title":{"rendered":"Michael Wolffsohn relativiert und leugnet den V\u00f6lkermord an den Armeniern, indem er ihn v\u00f6llig unn\u00f6tig in Konkurrenz zum Holocaust bringt"},"content":{"rendered":"<figure style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/img.nzz.ch\/S=W560\/O=75\/https:\/\/nzz-img.s3.amazonaws.com\/2019\/4\/26\/25fa3fc1-0ba6-4217-ad36-0933dc65f7b8.jpeg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"385\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Am 6. Mai 1941 flogen deutsche Bomber des Typs Dornier Do17 \u00fcber Athen. (Bild: STR \/ Keystone)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: left;\"><a id=\"js_j9o\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/jaklin.chatschadorian?__tn__=%2CdCH-R-R&amp;eid=ARAZ08zCvr02SmCF4NSbidPGGToJJxvAe4LGWg9K5lyh3n2bTbaL_3sBSLBMSORuGg0WiD3UqIpM-NpP&amp;hc_ref=ARR0SY6tv9w10SJAemR0n6AvmZZMpyOIhZwDadRwJsoYoHjGkztHKpc1y9J1TCXGuyI&amp;fref=nf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"margin-left: 5px; margin-right: 5px;\" src=\"https:\/\/scontent-dus1-1.xx.fbcdn.net\/v\/t1.0-1\/c1.0.160.160a\/p160x160\/49118464_2218533201510336_7810069471367790592_n.jpg?_nc_cat=102&amp;_nc_ht=scontent-dus1-1.xx&amp;oh=ca0e8370b392d279cecc6698ad1f88b0&amp;oe=5D7530CB\" alt=\"\" width=\"91\" height=\"91\" \/><\/a><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><a id=\"js_j9o\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/jaklin.chatschadorian?__tn__=%2CdCH-R-R&amp;eid=ARAZ08zCvr02SmCF4NSbidPGGToJJxvAe4LGWg9K5lyh3n2bTbaL_3sBSLBMSORuGg0WiD3UqIpM-NpP&amp;hc_ref=ARR0SY6tv9w10SJAemR0n6AvmZZMpyOIhZwDadRwJsoYoHjGkztHKpc1y9J1TCXGuyI&amp;fref=nf\">Jaklin Chatschadorian<\/a><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Michael <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/hashtag\/wolffsohn?source=feed_text&amp;epa=HASHTAG\">Wolffsohn<\/a> relativiert und leugnet den <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/hashtag\/v\u00f6lkermord?source=feed_text&amp;epa=HASHTAG\">V\u00f6lkermord<\/a> an den Armeniern,<br \/>\nindem er ihn v\u00f6llig unn\u00f6tig in Konkurrenz zum Holocaust bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Historiker, der  sich eingehend mit dem V\u00f6lkermord an den Juden und damit auch mit der  Regelung der UN-Resolution befasst hat, m\u00fcsste er wissen (um nicht zu  sagen WEISS ER), dass die &#8222;Einzigartigkeit&#8220; eines Massakers kein  Tatbestandsmerkmal des Straftatbestandes &#8222;V\u00f6lkermord&#8220; ist.<\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: left;\">Und doch scheint es so, als ob Wolffssohn schlichtweg \u00fcbersehen will,  dass es sich bei dem Begriff V\u00f6lkermord um einen in der UN  V\u00f6lkermordkonvention, 1948 von Raphael Lemkin, klar definierten  Straftatbestand handelt, und eben nicht nur um eine sprachliche Regelung  deutscher Politiker, Beh\u00f6rden und Linguisten, selbst wenn das Wort &#8222;im  Amtsdeutschen&#8220; zun\u00e4chst einmal automatisch, gedanklich zum Holocaust und  nicht zu anderen V\u00f6lkermorden f\u00fchrt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Entscheidendes  Tatbestandsmerkmal ist die VERNICHTUNGSABSICHT. Diese Absicht haben  beide V\u00f6lkermorde, der Holocaust ebenso wie der Armeniergenozid  gemeinsam.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Unterschied liegt zB in der Zahl der Opfer. Der  Holocaust mit der Ermordung von \u00fcber 6 Mio Juden war in seiner Dimension  (Opferanzahl) einzigartig. So gesehen hatte der Armeniergenozid &#8222;nur&#8220;  1,5 Mio Tote, rechnet man die Opfer der Aram\u00e4er und Pontos-Griechen  hinzu, kommt man auf &#8222;nur&#8220; 3 Mio Opfer.<br \/>\nEbenso einzigartig war die  Dimension der Organisation des V\u00f6lkermordes. Insoweit hat Hitler das  Werk des Osmanischen Triumvirates Talat-Enver-Cemal perfektioniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schlie\u00dflich ist der Hinweis Wolffsohns auf die &#8222;Waffen der Armenier&#8220; in  der Begr\u00fcndung seiner Ablehnung der Vergleichbarkeit v\u00f6llig verfehlt  und sachlich falsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Frage, ob die Seite der Opfer bewaffnet  war, ist nicht nur bei der Beurteilung des Straftatbestandes V\u00f6lkermord  irrelevant. Sie f\u00fchrt auch in die Irre.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Einerseits waren die  Armenier zu einem sehr kleinen Teil zwecks Selbstverteidigung nach  Massakern, die dem V\u00f6lkermord von 1915 vorausgegangen waren bewaffnet.  Die Menge an K\u00e4mpfern und Waffen stand in keiner vern\u00fcnftigen Relation.<br \/>\nDie \u00fcberwiegende Masse der Menschen war beim &#8222;Startschuss&#8220; zum  V\u00f6lkermord, w\u00e4hrenddessen und danach, nicht bewaffnet und wurde &#8211; ebenso  wie die Juden des Holocausts &#8211; vom Esstisch zur Schlachtbank resp. ins  KZ gef\u00fchrt. M\u00e4nner wurden direkt vor der T\u00fcre erschossen, Frauen die den  Massakern entkamen wurden benutzt und deportiert.<br \/>\nEs handelte sich  1915 &#8211; ebenso wie 1933\/1939-1945 &#8211; gerade nicht um einen Krieg von  Soldaten der einen Seite gegen Soldaten der anderen Seite,<br \/>\nsondern  um eine organisierte Massent\u00f6tung in Vernichtungsabsicht, geplant und  durchgef\u00fchrt von einer \u00fcberm\u00e4chtigen Regierung und seinen Schergen gegen  friedliche Zivilisten, gegen Einheimische mit derselben  Staatsb\u00fcrgerschaft, aber anderer Ethnie bzw. Religion.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Selbstverst\u00e4ndlich sind zwei in Vernichtungsabsicht erfolgte  Ausrottungen vergleichbar! Es bleibt dabei: Einzigartigkeit in Dimension  und Ausf\u00fchrungsperfektion entscheiden nicht \u00fcber das OB eines  V\u00f6lkermordes.<br \/>\nAndernfalls k\u00f6nnte man an einem kleinen Volk grds. keinen V\u00f6lkermord ver\u00fcben. Dieser Gedanke ist absurd.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">V\u00f6llig unn\u00f6tig ist auch die Warnung des Historikers vor m\u00f6glichen  Schadensersatzanspr\u00fcchen. Die Frage, ob man einen V\u00f6lkermord als solchen  politisch verurteilt, indem man ihn als solchen anerkennt, weil er die  Bedingungen des Straftatbestandes erf\u00fcllt, ist nicht, und darf nicht,  von der Prognose auf Rechtsfolgenseite abh\u00e4ngig (sein).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kein  Mensch stellt die Frage, ob die T\u00f6tung eines Menschen als Mord zu  qualifizieren ist in die Abh\u00e4ngigkeit der Frage, ob Hinterbliebene  existieren, die nun Anspr\u00fcche erheben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Genauso \u00fcberfl\u00fcssig ist die Warnung vor der St\u00f6rung des inneren Friedens durch Schadensersatzforderungen an Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was f\u00fcr ein absurder Gedanke, Deutschland w\u00fcrde sich &#8211; aus Angst vor  der Nazi-Ecke &#8211; JEDER Zahlungsaufforderung ungepr\u00fcft beugen. Gerade  gegen\u00fcber Griechenland hat die Bundesregierung bereits die Forderungen  zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch sehe ich weder die polnischen und  griechischen Mitb\u00fcrger noch die armenischen Mitb\u00fcrger &#8222;Nazi-Deutschland&#8220;  rufend auf deutschen Stra\u00dfen Unruhe stiften, noch sehe ich, dass sich  hier ein handfester au\u00dfenpolitisch bedeutender Streit entwickelt.<br \/>\nGerade mit Polen und Griechenland sind die Beziehungen Deutschlands in  den unterschiedlichsten Themenbereichen intensiv verwoben, als dass sich  hier Fronten an dieser Frage verh\u00e4rten m\u00fcssten.<br \/>\nUnd mit Armenien,  das solche Forderungen noch gar nicht erhoben hat, kommt Deutschland  (mit Blick auf den B\u00fcndnispartner T\u00fcrkei sei gefragt: warum auch  immer?!) sich gerade n\u00e4her.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nur der Vollst\u00e4ndigkeit halber:<br \/>\nDer innere Frieden in Deutschland wird gerade, (und das ist nicht zu  verleugnen) viel eher an der Frage der unkontrollierten  Migrationspolitik und der v\u00f6llig verfehlten, unkritischen Islampolitik  gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Umso mehr stellt sich die Frage nach dem Motiv eines so angesehenen Historikers.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Armenierin und Nachkomme der \u00dcberlebenden des V\u00f6lkermordes von 1915  stelle ich mich jedenfalls nicht in Konkurrenz zu den geopferten Juden  des Holocausts bzw. deren Nachkommen.<br \/>\nIch sehe die Gemeinsamkeiten  und klage an, gerade um zu zeigen, es kann sich immer noch auf die eine  oder andere Weise wiederholen, Vernichtungsabsicht kann wieder  aufkeimen, wahrlich nicht nur auf deutscher Seite.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die T\u00fcrkei  als Nutznie\u00dferin des Genozides bzw. das T\u00e4tervolk des Osmanischen  Reiches wurde seinerzeit und bis heute dieses Verbrechens wegen nicht  verurteilt.<br \/>\nHitler nahm sich den Armeniergenozid und vor allem den Umgang mit dem Armeniergenozid zum Vorbild.<br \/>\nVielleicht, so sagt man, w\u00e4re das eine, der Holocaust, nicht passiert,  wenn man sich dem anderen, dem V\u00f6lkermord an den Armeniern, in  angemessener Form gewidmet h\u00e4tte, statt (heute) jeden Vergleich v\u00f6llig  unn\u00f6tig in Konkurrenz zu setzen und die Augen vor der jederzeit  m\u00f6glichen Unendlichkeit der Dimension von Radikalisierung zu  verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Siehe den Artikel von Michael Wolffsohn:\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/die-deutsche-doppelmoral-und-ihre-folgen-wie-amtsdeutsche-voelkermord-theorie-griechen-und-polen-auf-den-plan-rief-ld.1477490\" target=\"_blank\">Die deutsche Doppelmoral und ihre Folgen \u2013 wie amtsdeutsche V\u00f6lkermord-Theorie Griechen und Polen auf den Plan rief<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jaklin Chatschadorian &nbsp; Michael Wolffsohn relativiert und leugnet den V\u00f6lkermord an den Armeniern, indem er ihn v\u00f6llig unn\u00f6tig in Konkurrenz zum Holocaust bringt. 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