{"id":33974,"date":"2021-02-06T21:38:21","date_gmt":"2021-02-06T19:38:21","guid":{"rendered":"http:\/\/norkhosq.net\/?p=33974"},"modified":"2021-02-06T21:38:39","modified_gmt":"2021-02-06T19:38:39","slug":"deutsche-erfolgsstory-der-nachkriegsaera-geht-ihrem-ende-entgegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/norkhosq.net\/?p=33974","title":{"rendered":"Deutsche Erfolgsstory der Nachkriegs\u00e4ra geht ihrem Ende entgegen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00fcr Friedrich Merz ist Innovation eine nationale Notwendigkeit. Doch es sieht eher danach aus, dass Deutschlands Innovations-Comeback genauso scheitern wird wie das Polit-Comeback von Friedrich Merz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">TOROS SARIAN, HAMBURG Samstag, 23. Jan. 2021<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachkriegs\u00e4ra war nicht nur gekennzeichnet vom Aufstieg der USA zur Weltmacht, sondern auch durch eine scheinbar unendliche deutsche Erfolgsstory, die bereits kurz nach der totalen Niederlage des Hitler-Faschismus begann: Das \u201eWirtschaftswunder\u201c und die Integration in die NATO bildeten die Grundlage f\u00fcr den Aufstieg Deutschlands. Mit der von ihr und Frankreich entscheidend vorangetriebenen europ\u00e4ischen Integration wurde sie die \u00fcberragende politische und \u00f6konomische Macht in Europa; mit der \u201eWiedervereinigung\u201c bekam das Land einen zus\u00e4tzlichen Auftrieb. Der kr\u00f6nende Abschluss des Aufstiegs soll die Aufnahme des Landes in den Kreis der st\u00e4ndigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats sein. Mit der Finanzkrise 2007\/08, der Griechenland-Krise 2010, der \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c 2015\/16, dem Brexit und den Problemen mit der Trump-Regierung hat Deutschland erfahren, dass die politische und \u00f6konomische Entwicklung nicht so reibungslos verl\u00e4uft wie erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insbesondere zwei Ereignisse deuten darauf hin, dass vor allem der deutschen Autoindustrie schwierige Zeiten bevorstehen: die Errichtung der Tesla Gigafactory in Brandenburg und der Brexit. Das kalifornische Unternehmen will mit einer Fabrik vor den Toren Berlins den Markt f\u00fcr Elektroautos in Europa beherrschen und die erst 1973 in die EU eingetretenen Briten sind nun wieder ausgetreten, weil sie als unabh\u00e4ngiger \u201eGlobal Player\u201c f\u00fcr sich bessere Entwicklungsperspektiven sehen. Die EU hat ihr wirtschaftlich zweitst\u00e4rkstes Mitglied verloren. Nun ist Frankreich in diese Position aufger\u00fcckt und die bisher relativ harmonischen deutsch-franz\u00f6sischen Beziehungen k\u00f6nnten sich schwierig gestalten, denn die Grande Nation gewinnt nach dem Austritt Gro\u00dfbritanniens mehr Gewicht. Von Polen bis nach Griechenland gibt es viel Misstrauen und auch \u00c4ngste gegen\u00fcber Deutschland. Bei den zwei gro\u00dfen EU-Mitgliedern Frankreich und Italien ist es \u00e4hnlich. Genaugenommen ist nur das winzige Luxemburg ein verl\u00e4sslicher Partner Deutschlands in der EU.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von entscheidender Bedeutung sind allerdings die wirtschaftlichen Aussichten f\u00fcr den \u201eExportweltmeister\u201c. Die Konkurrenz durch industrielle Schwellenl\u00e4nder wird immer mehr zunehmen, was dazu f\u00fchren wird, dass es f\u00fcr den \u201eExportweltmeister\u201c schwieriger wird, seine Industrieerzeugnisse auf den M\u00e4rkten so einfach wie bisher abzusetzen. Aber ein noch weitaus gr\u00f6\u00dferes Problem ist, dass die deutsche Wirtschaft gegen die innovativen Rivalen aus den USA oder Ostasien kaum mithalten kann. Auf das sich abzeichnende Ende des Verbrennungsmotors haben die deutschen Autohersteller zu sp\u00e4t reagiert. Wahrscheinlich zu sp\u00e4t, um den R\u00fcckstand noch aufholen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tesla als \u201eunkalkulierbare Gefahr\u201c f\u00fcr die deutsche Autoindustrie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass der US-Konzern Tesla seine Gigafactory ausgerechnet vor den Toren Berlins errichtet, ist wie ein Frontalangriff auf den Kern der deutschen Industrie. Politiker behaupten zwar, dass die Errichtung der Gigafactory die Attraktivit\u00e4t Deutschlands bei ausl\u00e4ndischen Investoren darstelle, aber wahrscheinlich freut sich niemand wirklich dar\u00fcber, dass ein amerikanisches Unternehmen in Deutschland eine hochmoderne Fabrik f\u00fcr E-Autos baut. Mit der ersten Gigafactory in Europa kann Tesla seine Position auf dem Zukunftsmarkt ausbauen, w\u00e4hrend die deutsche Autoindustrie hinterherhinkt. Es hei\u00dft zwar, dass Konkurrenz das Gesch\u00e4ft belebt, aber jedes Unternehmen m\u00f6chte lieber einen m\u00f6glichst gro\u00dfen Vorsprung gegen\u00fcber den Marktrivalen haben und im Wettbewerb eine F\u00fchrungsrolle \u00fcbernehmen. Die nicht offen gestellte Frage ist: Warum sind nicht die deutschen Autobauer, sondern ein amerikanisches Unternehmen Vorreiter der Elektromobilit\u00e4t geworden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eTesla-Chef Musk ist f\u00fcr die Autoindustrie eine unkalkulierbare Gefahr\u201c, lautet der Titel eines 2017 in der S\u00fcddeutschen Zeitung erschienen Artikels. Die selbstgef\u00e4lligen, erfolgsverw\u00f6hnten Meister des Verbrennungsmotors dachten, dass E-Autos keine Konkurrenz zu Autos mit Verbrennungsmotor werden k\u00f6nnten: \u201eDie gelernten Ingenieure aus M\u00fcnchen, Wolfsburg und Stuttgart messen den Mann, der als Gr\u00fcnder von IT-Unternehmen begann, mit ihren eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben. Ma\u00dfst\u00e4be aus einer Welt, in der Motoren, PS, Umsatz, Absatz und Gewinn pro verkauftem Auto entscheidend sind und in der diejenigen, die diese Autos bauten und entwickelten, noch M\u00e4nner mit ,Benzin im Blut\u2018 waren&#8220;. Dass die Manager in den Chefetagen von VW, Daimler-Benz und BMW die sich abzeichnende Entwicklung ebenfalls nicht rechtzeitig erkannten und darauf reagierten, zeugt von ihrer mangelnden Innovationsbereitschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tesla ist nicht die einzige Gefahr f\u00fcr die deutschen Autobauer, sondern auch China: Der Verbrennungsmotor geht seinem Ende entgegen und die zweitgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt nutzt seine Chance, von Beginn an bei der Entwicklung und Produktion von E-Autos an f\u00fchrender Position dabei zu sein. Die sich rasant entwickelnde, innovative chinesische Autoindustrie wird wohl nicht nur die gro\u00dfe Nachfrage im eigenen Land decken, sondern auch in ausl\u00e4ndische M\u00e4rkte eindringen. Das Land wird somit eigenst\u00e4ndig ein hochwertiges technisches Produkt herstellen und auf dem Weltmarkt anbieten k\u00f6nnen. Gerade f\u00fcr die deutschen Autokonzerne ist China als weltgr\u00f6\u00dfter Automarkt besonders wichtig, denn jedes dritte ihrer Autos hatten sie 2018 dorthin verkauft. Die Vers\u00e4umnisse und Probleme der Autoindustrie sind so gravierend und die Furcht, von der Konkurrenz abgeh\u00e4ngt zu werden, ist so gro\u00df, dass das Handelsblatt zu folgender alarmierenden Lageeinsch\u00e4tzung kommt: \u201eDie Zeiten, in denen wir Volkswagen und Co mit fast schon unterw\u00fcrfiger Ehrerbietung glorifizierten, sind vorbei. Mit der Dieselaff\u00e4re hat sich die Automobilbranche selbstverschuldet in eine tiefe Vertrauenskrise man\u00f6vriert und muss seitdem Schadensbegrenzung betreiben. Gleichzeitig steht die gesamte Branche nicht erst seit den folgenreichen Produktionsstopps infolge des Coronavirus vor Herausforderungen, die einen mindestens genauso massiven Kraftakt erfordern wie die Aufarbeitung der Dieselkrise. Die elektrifizierte Zukunft ist beschlossene Sache, das autonome Fahren kein Wunschdenken mehr. Und Deutschlands Schl\u00fcsselbranche l\u00e4uft dabei Gefahr, den Anschluss zu verlieren \u2013 und damit den Wohlstand des gesamten Wirtschaftsstandortes zu verschleifen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts dieser d\u00fcsteren Perspektive f\u00fcr die industrielle Schl\u00fcsselbranche empfiehlt der Autor des Handelsblatts eine \u201egemeinsame L\u00f6sung\u201c der deutschen Autokonzerne, denn \u201ezu fortgeschritten ist die Konkurrenz aus \u00dcbersee, als dass ein Unternehmen den Innovationsstau allein bew\u00e4ltigen k\u00f6nnte. Es bedarf gemeinsamer L\u00f6sungen. Die Konzerne m\u00fcssen ihren Rivalit\u00e4tsdrang b\u00e4ndigen\u201c. Es wird offen zugegeben, dass die Autoindustrie von der Konkurrenz abgeh\u00e4ngt wurde, aber ob sie durch ein nationales B\u00fcndnis wieder Anschluss finden kann, ist zweifelhaft. Zusammenschl\u00fcsse von gro\u00dfen Autokonzernen gibt es ohnehin bereits: Der franz\u00f6sische Konzern PSA (Peugeot, CS, Citro\u00ebn und Opel) schloss sich k\u00fcrzlich mit Fiat-Chrysler zu der Automobilholding Stellantis zusammen. Renault Nissan und Mitsubishi haben sich bereits 1999 zusammengeschlossen. Daimler-Benz versuchte bereits 1998 durch eine Fusion mit dem US-Konzern Chrysler ein \u201eGlobal Player\u201c zu werden. Bereits nach zwei Jahren endete das Projekt in einem Desaster. Nach dieser Erfahrung setzt man wohl lieber auf ein rein deutsches B\u00fcndnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es um die Sicherung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der deutschen Autoindustrie geht, werden alle Parteien im \u201enationalen Interesse\u201c daran mitwirken: Die Gr\u00fcnen mit dem Argument, den Klimawandel durch eine gr\u00fcne industrielle Revolution zu verhindern; Linke und Sozialdemokraten mit dem Argument, deutsche Arbeitspl\u00e4tze zu sichern; f\u00fcr die b\u00fcrgerliche-liberalen Parteien geht es um das \u00dcberleben der deutschen Unternehmen im immer h\u00e4rter werdenden globalen Wettbewerb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Deutsche L\u00f6sung von Problemen: Beh\u00f6rden, Beamte und Ma\u00dfnahmen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aussichten, den Vorsprung der Rivalen aus Kalifornien oder China doch noch einzuholen zu k\u00f6nnen, stehen schlecht. Es wird zwar seit Jahren viel \u00fcber die Aufl\u00f6sung von \u201eInnovationsstaus\u201c, eine z\u00fcgigen Digitalisierung oder eine \u00f6kologische Umgestaltung der Industrie geredet, aber nennenswerte Fortschritte gibt es kaum. Um den \u201eInnovationsstau\u201c aufzul\u00f6sen, f\u00e4llt der Politik nichts anderes ein, als das, was die deutsche Vorgehensweise gegen Probleme auszeichnet: neue Beh\u00f6rden schaffen und staatliche F\u00f6rderma\u00dfnahmen beschlie\u00dfen. Ein Beispiel f\u00fcr diese b\u00fcrokratische Vorgehensweise ist Hamburg, wo es eine \u201eBeh\u00f6rde f\u00fcr Wirtschaft und Innovation\u201c (BWI) gibt. Beh\u00f6rden, staatliche Institutionen und Beamte sollen eine innovative Wirtschaft schaffen, w\u00e4hrend gleichzeitig alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens penibel reglementiert und kontrolliert werden. Das System, das f\u00fcr \u201eInnovationsstaus\u201c verantwortlich ist, will diese beh\u00f6rdlich geregelt aufl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem strukturell konservativen Land wird die Innovation kaum eine Chance haben, denn Innovationsbereitschaft setzt eine Mentalit\u00e4t in der Gesellschaft voraus, die f\u00fcr Erneuerung und Wandel offen ist. Davon ist Deutschland weit entfernt, denn hier bedeuten Erneuerung und Wandel \u201eunkalkulierbare Gefahren\u201c f\u00fcr Stabilit\u00e4t, Sicherheit und Wohlstand. Die geringe Innovationsbereitschaft der Wirtschaft entspricht der Haltung im Staats- und Regierungsapparat und der Gesellschaft. Die bei Umfragen fast immer an der Spitze der Liste der beliebtesten Politiker stehende Kanzlerin w\u00fcrde sicherlich erneut wiedergew\u00e4hlt werden, obwohl sie in sechzehn Regierungsjahren kaum etwas Innovatives vorzuweisen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fridrich Merz, der viele Jahre beim weltweit gr\u00f6\u00dften Investmentfond Blackrock gearbeitet hat, kennt die Schw\u00e4chen Deutschlands im globalen Wettbewerb sicherlich wie kaum ein anderer deutscher Politiker. Er ist zwar konservativ in gesellschaftspolitischen Fragen, aber aufgrund seiner Erfahrungen bei Blackrock wei\u00df er, dass Deutschland ohne eine innovative Wirtschaft keine Chance im Wettbewerb gegen die USA und China hat. Innovation ist f\u00fcr ihn somit eine nationale Notwendigkeit. Merz zeigt sich optimistisch: \u201eDeutschland steht vor einem Comeback der Innovationen und \u00fcberl\u00e4sst die Zukunft nicht allein Amerika und China&#8220;. Doch es sieht eher danach aus, dass Deutschlands Innovations-Comeback genauso scheitern wird, wie das Polit-Comeback von Friedrich Merz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-toros-sarian-webseite wp-block-embed-toros-sarian-webseite\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"PS4xYlHJ0O\"><a href=\"https:\/\/torossarian.com\/toros-sarian-artikel-deutsche-erfolgsstory-der-nachkriegsara-geht-ihrem-ende-entgegen\/\">Deutsche Erfolgsstory der Nachkriegs\u00e4ra geht ihrem Ende entgegen<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"\u201eDeutsche Erfolgsstory der Nachkriegs\u00e4ra geht ihrem Ende entgegen\u201c \u2013 Toros Sarian\" src=\"https:\/\/torossarian.com\/toros-sarian-artikel-deutsche-erfolgsstory-der-nachkriegsara-geht-ihrem-ende-entgegen\/embed\/#?secret=wNFe9YJ8QQ#?secret=PS4xYlHJ0O\" data-secret=\"PS4xYlHJ0O\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00fcr Friedrich Merz ist Innovation eine nationale Notwendigkeit. 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