(Foto: Bundesverband der Aramäer in Deutschland)

Drei Verhaftungen – die Suryoye (tr. Süryani) im Tur Abdin (Südost-Anatolien/Türkei) geraten wieder zwischen die Fronten

Am 09.01.2020 wurden der syrisch – orthodoxe Mönch und Vorsteher des Klosters Mor Jakob, Vater Aho, der Bürgermeister des Dorfes Arkah, Josef Yar, sowie Musa Tastekin aus dem Dorf Sederi bei einer Razzia in Nuseybin/Türkei verhaftet.

Ihnen wird vorgeworfen, im Jahr 2018 ein Mitglied der kurdischen Partei PKK mit Wasser und Brot versorgt zu haben. Erst einen Tag nach der Verhaftung erhielten die Anwälte Zugang zu den dreien.
Die Suryoye sehen dieses Vorgehen als Bedrohung ihrer Existenz an und macht ihnen das Leben im Tur Abdin schwerer. Durch die Inhaftierungen von Bürgermeistern, Dorfvorstehern und Priestern kommen auch die Erinnerungen an frühere Unterdrückungen wieder und die Angst vor einer neuen Welle von Repressalien steigt.

Bereits in den 80er Jahren war aufgrund damals vorherrschender Spannungen eine große Auswanderungswelle aus der überwiegend von Schafhirten und Bauern besiedelten Region zu verzeichnen. Seit 2013 trat eine zaghafte Heimkehr der Emigranten ein, wobei das Kloster Mor Jakob mit Vater Aho als sicherer Platz für die Rückkehrer diente. Zusammen mit überwiegend lokalen kurdischen und arabischen Bauträgern war begonnen worden, alte Häuser zu sanieren und neue Investitionen im Bereich der ökologischen Landwirtschaft zu tätigen.

Die Verhaftung von Vater Aho, Josef Yar und Musa Tastekin kann zu einer weiteren wirtschaftlichen, politischen und sozialen Schwächung der Region Südost-Anatolien im Allgemeinen und dem Ansiedlungsgebiet der Suryoye im Tur Abdin im Speziellen, führen – mit der Folge, dass weitere Unruhen zwischen den unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gruppen entstehen.

Im Sinne der Demokratie, der Menschenrechte, dem interreligiösen Dialog und der Stabilität der Region, ist eine umgehende Freilassung der noch inhaftierten Suryoye, sobald alle Hintergründe sachlich, objektiv und nach allgemein gültigen juristischen Maßstäben geklärt sind, unabdingbar.

Im Namen des Gesamtvorstandes des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland e.V.

gez.
Gabriel Georgs, erster Vorsitzender
Daniela Hofmann, zweite Vorsitzende

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