Armenier kämpfen um Anerkennung von Genozid

  Kirche am Berg Ararat. Bis zum Völkermord lebten die Armenier größtenteils in mehreren Provinzen rund um den Berg. Der Ararat, der in der Türkei liegt, ist das Nationalsymbol der Armenier.  (Quelle: ap)von Moses Fendel

In diesen Tagen feiern die Armenier – wie andere orthodoxe Christen – Weihnachten. Es ist der Auftakt zu einem besonderen Gedenkjahr. Im April vor 100 Jahren begann der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich. Die Türkei leugnet das bis heute, selbst Deutschland scheut das Wort „Völkermord“.

Am 6. und 7. Januar feiern die Armenier nach dem alten, julianischen Kalender das Weihnachtsfest – es leitet ein besonderes Gedenkjahr ein. Im April 1915 begann der Genozid an den Armeniern, bis zu 1,5 Millionen Menschen wurden ermordet.Viele der schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Armenier, die heute in Deutschland leben, sind Nachfahren der Überlebenden des Völkermords. Sie kämpfen noch immer um eine vollständige und weltweite Anerkennung und Aufarbeitung. Ilias Uyar ist einer von ihnen.

Kollektives Trauma

„Die Geschichte der Armenier in Deutschland beginnt nicht erst mit dem Völkermord von 1915-16. Vor allem in Universitätsstädten wie Leipzig, Halle oder Berlin hat das armenische Leben eine lange Tradition“, erzählt Rechtsanwalt Uyar in seiner Kanzlei in der Kölner Innenstadt. „Die Diaspora-Erfahrung existiert für die Armenier nicht erst seit dem Völkermord, sondern die Armenier waren immer Reisende und Kaufleute.“

Omanisches Reich und „Jungtürken“

Das Osmanische Reich war der Vorgängerstaat der heutigen Türkei und Verbündeter des Deutschen Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg. Seit einem Militärputsch 1913 wurde es bis zum Ende des Krieges diktatorisch von den „Jungtürken“ regiert – einer politischen Bewegung, die das zu dieser Zeit schon geschwächte Osmanische Reich militärisch, politisch und wirtschaftlich zu modernisieren versuchte.

Ziel der Bewegung war ein ethnisch und religiös homogenes, von Türken regiertes Großreich, das auch andere von  turksprachigen Völkern besiedelte Gebiete wie zum Beispiel Aserbaidschan, Turkmenistan und Usbekistan umfassen sollte. Der Völkermord an den Armeniern kann als eine Maßnahme einer solchen blutigen Homogenisierung und „Modernisierung“ des Osmanischen Reiches gedeutet werden.

Und doch ist es das kollektive Trauma der Vertreibung und Ermordung von mehr als einer Million Armeniern im Osmanischen Reich, das auch 100 Jahre danach die nationale Identität vieler Armenier prägt. Nur drei von 50 Mitgliedern aus der Familie von Ilias Uyar überlebten den Genozid.Viele Armenier kamen als „Gastarbeiter“

Der 38-Jährige leitet ehrenamtlich den Beirat der Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland. Sie ist neben dem Zentralrat der Armenier in Frankfurt am Main die wichtigste und einflussreichste armenische Organisation hierzulande.Dass die Diözese der Armenischen Kirche ihren Sitz in Köln hat, ist kein Zufall. Die Stadt ist ein wichtiges Zentrum des armenischen Lebens in Deutschland. Unter den vielen „Gastarbeitern“ aus der Türkei, die seit dem deutsch-türkischen Anwerbeabkommen von 1961 in die Kölner Region kamen, waren viele Armenier. Es war eine Chance, die Schatten der Vergangenheit und die wieder wachsenden ethnischen Spannungen in der Türkei hinter sich zu lassen und neu anzufangen.Auf 50.000 bis 60.000 Menschen schätzt Uyar die Zahl der armenisch-stämmigen Bürger bundesweit. Eine unauffällige, überschaubare Gemeinschaft, die sich vielleicht am besten mit dem Etikett „gut integriert“ beschreiben lässt. Mehr als 90 Prozent haben einen deutschen Pass. Ilias Uyar ist keine Ausnahme. „Deutschland ist meine Heimat. Ich habe meinen Zivildienst hier gemacht und begreife mich auch als aktiven Teil der Gesellschaft.“Deutschland als Vorbild für armenisch-türkische Versöhnung?

Einer Gesellschaft, die seit Ende der 1960er Jahre – nach zwei Jahrzehnten der Verdrängung –  begonnen hatte, ihre eigene Schuld an einem Völkermord aufzuarbeiten. Geht es nach dem türkischen Exil-Schriftsteller Doğan Akhanlı, soll genau diese Erfahrung zum Vorbild für eine Aufarbeitung des Genozids an den Armeniern und eine armenisch-türkische Versöhnung werden.“Deutschland ist für mich der weltweit am besten geeignete Ort für die Versöhnung. Das ist ein großes Wort, vielleicht ist es noch zu früh, von Versöhnung zu reden. Aber es ist ein Begegnungsort und ein Lernort. Eines der größten Verbrechen in der Geschichte ist auf deutschem Boden organisiert worden. Aber die deutsche Gesellschaft hat begonnen, aufzuarbeiten.“Autor Akhanlı fordert Erinnerungsaufstand

Von einer solchen dialogbereiten Haltung ist die türkische Gesellschaft noch weit entfernt. 2007 wurde der armenischstämmige Journalist Hrant Dink in Istanbul auf offener Straße von einem türkischen Nationalisten erschossen. In seinen Texten hatte er wiederholt gefordert, die Türkei solle sich ihrer Verantwortung für den Genozid an den Armeniern stellen. Der Mord an Hrant Dink ist für Doğan Akhanlı ein Appell gewesen, seine Stimme noch lauter für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu erheben, auch wenn das lebensgefährlich ist. Er fordert einen „Erinnerungsaufstand“.

 

Der Völkermord an den Armeniern

Bis zu 1,5 Millionen Armenier sterben

Es war der erste systematische Völkermord des 20. Jahrhunderts: der Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich. Ab 1915 wurden bis zu anderthalb Millionen Armenier und mehrere hunderttausend Angehörige anderer christlicher und muslimischer Minderheiten ermordet. Das Ziel: ein ethnisch und religiös homogener türkischer Staat.

Als Beginn des Völkermordes gilt der 24. April 1915: An diesem Tag wurde die gesamte armenische Elite in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, verhaftet und deportiert. 235 armenische Politiker, Künstler, Journalisten und Unternehmer wurden daraufhin ermordet. Bis heute ist der 24. April weltweit der zentrale Gedenktag für die Opfer des Genozids.

In den darauf folgenden Monaten begann die systematische Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich, die nur ein kleiner Teil von ihnen überleben sollte. Türkische Gendarmen, Polizisten und Soldaten trieben fast alle Armenier des Osmanischen Reiches in Sammellagern zusammen. Von dort aus wurden viele von ihnen in die syrische Wüste geschickt. Auf diesen berüchtigten Todesmärschen starben schätzungsweise bis zu eine Million Menschen.

Deutschland und der Völkermord

Türkei leugnet Völkermord

„Ich glaube, wir brauchen eine noch stärkere Bewegung von unten. Die türkische Regierung muss endlich verstehen, dass sie den Völkermord an den Armeniern nicht mehr leugnen kann. Aber wenn sie den Genozid an den Armeniern anerkennt, müsste sie die ganze türkische Geschichtsschreibung ändern und noch wichtiger: ihre Haltung gegenüber Minderheiten. Und das ist für die Türkei ein Neubeginn, eine neue Zeit. Und das wäre natürlich eine großartige Leistung und genau das soll das Ziel der Bewegung sein.“

Armenier fordern offzielle Anerkennung des Völkermords

2005 hat der Bundestag in einer Resolution zum 90. Jahrestag des Völkermords der Opfer gedacht. Das Wort „Völkermord“ fehlt jedoch im Haupttext der Resolution. Lediglich im erläuternden Begründungstext wird darauf verwiesen, dass „zahlreiche unabhängige Historiker, Parlamente und internationale Organisationen […] die Vertreibung und Vernichtung der Armenier als Völkermord“ bezeichneten.Ilias Uyar findet das inakzeptabel. Er wirft der deutschen Regierung Feigheit vor. Um die Beziehungen zu Ankara nicht zu gefährden, scheue sie sich, die Wahrheit auszusprechen. Zu Beginn des Gedenkjahres fordert er, die Ereignisse von 1915/16 explizit als Völkermord zu benennen.

 

Video „The Cut“: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2262512/Epischer-Tabubruch—Fatih-Akins…

quelle: http://www.heute.de/voelkermord-vor-100-jahren-armenier-kaempfen-um-anerkennung-36603906.html

 

 

 

 

 

 

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