Ist das Neusser Quirinusmünster nun eine Moschee?

Eine Analyse von Michael Hesemann: Ist das Neusser Quirinusmünster nun eine Moschee?Eine Analyse von Michael Hesemann

Der Neusser Historiker, Dozent der Neusser VHS und Bestseller-Autor Michael Hesemann gehört zu den Gastkommentatoren, die regelmäßig für den Stadt-Kurier schreiben.

Neuss. Wenn ein Moslem in das Quirinusmünster zum Gebet eingeladen wird, verwandelt sich die katholische Basilika nach islamischen Recht automatisch in eine Moschee. Ob dies geschehen ist, ist nicht ganz klar. Wenn ja, dann sind dafür Thomas Nickel und Thomas Kaumanns verantwortlich. Hinter all dem steckt wieder ein CDU-Mann: Yasar Calik, dem Neuss die Halbmond-Debatte zu verdanken hat. Von Michael Hesemann, Neusser Historiker und Bestseller-Autor

Keine Frage: Will Deutschland ein Einwanderungsland sein, muss es in der Lage sein, Fremden das Gefühl zu geben, dass sie in ihrer neuen Heimat willkommen sind, dass sie aufgenommen werden in eine bereits bestehende Gesellschaft, deren kulturelle Vielfalt immer wieder durch neue Elemente bereichert wird. Integration ist dann gelungen, wenn etwa ein Immigrant aus der Türkei sich als türkischstämmiger Deutscher und eben nicht mehr als Türke in  einem fremden Land fühlt. Schon deshalb ist türkischer Nationalismus ebenso ein Integrationshindernis wie es Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus wären. Umso unverständlicher ist, dass Neusser Lokalpolitiker unter dem Deckmantel der Integrationsförderung ihren Kotau vor dem türkischen Staat, vertreten durch seinen Botschafter, machen. Denn das ist zunächst einmal ein Schlag ins Gesicht all jener Menschen türkischer Herkunft, die, etwa als Aleviten, Kurden oder Armenier, aber auch als Liberale und Regimekritiker, nach Deutschland gekommen sind, weil sie die Zustände in ihrem Heimatland unerträglich fanden.

Es übersieht, dass türkischer Nationalismus neben dem politischen Islam das größte Hindernis für eine gelungene Integration ist; wer sich per se als etwas Besseres fühlt, ist nicht bereit, sich anzupassen.  Vor allem aber ist es ein peinlicher Kniefall vor dem Erdogan-Regime, das wie kein anderer NATO-Partner die Menschenrechte mit Füßen tritt. Erst gestern bescheinigte ein Bericht der „United States Commission on International Religious Freedom“ (USCIRF) der Türkei „ernsthafte Verletzungen der Religionsfreiheit religiöser Minderheiten“; Antisemitismus sei dort auf dem Vormarsch, die Demokratie stark gefährdet. Erdogans geradezu hysterische Reaktion auf die immer lauter werdende Forderung nach Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern vor hundert Jahren isolierte ihn auf der Weltbühne. Sein 1000-Zimmer Protzpalast oberhalb Ankaras, seine Unterstützung des islamistischen Terrorismus und seine neoosmanischen Großmachtphantasien lassen ihn eher als größenwahnsinnigen Diktator denn als respektablen Staatsmann erscheinen. Dass er in Karlsruhe nicht nur Aleviten, Kurden und Armenier beleidigte, sondern auch seine Anhänger zur „Errichtung der neuen Türkei in Deutschland“ aufrief, ist nicht nur integrationsfeindlich, sondern auch sicherheitspolitisch bedenklich.

Doch in Neuss tut man so, als sei diese „neue Türkei in Deutschland“ bereits errichtet worden. Da darf sich der weißmähnige türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu nicht nur in das „goldene Buch der Stadt“ eintragen, er wird auf Kosten des Steuerzahlers auch noch mit einem Gala-Essen geehrt. Ausgerechnet der Neusser Skandal-Stadtratskandidat Yasar Calik, der im Wahlkampf das CDU-Logo durch den türkischen Halbmond usurpieren ließ, trat als sein Gastgeber auf und wurde von Bürgermeister Napp und seinem designierten Nachfolger Nickel tat- und finanzkräftig unterstützt. Ich hoffe nur, man hat Karslioglu nicht auch noch eingeladen, in der Quirinusbasilika zu beten, denn nach islamischem Recht wäre sie damit zur Moschee geworden. Natürlich verzichtete man höflich darauf, ihn auf die Völkermord-Debatte oder den Neusser Halbmond-Skandal anzusprechen. War ja nichts gewesen, oder? Stattdessen flaggte selbst die NGZ; eine halbe Seite groß war ihre Wiedergabe der türkischen Nationalfahne, passend zur Schlagzeile: „Türken gestalten Neuss mit“. Davor freilich bewahre uns der liebe Gott! Türkischstämmige Neusser gehören zu uns und gestalten unsere Stadt. Türken sind als Gäste herzlich willkommen. Aber als treue Tochter Ankaras möchten wir dann doch nicht in die Geschichte eingehen!

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