Welche Verbindungen gibt es zwischen der Partei von Präsdient Recep Tayyip Erdogan und der Mafia? Foto: picture alliance/dpa

Enthüllungen in der Türkei

Ein Mafiapate legt Kontakte zwischen der türkischen Regierung und dem organisierten Verbrechen offen. Die Berater von Präsident Erdogan sind entsetzt.

von Susanne Güsten

Der Pate sitzt an einem Tisch und schaut in die Kamera, unter seinem offenen Hemd schimmert eine Goldkette, vor ihm liegen Bücher und Papierstapel. So beginnen die Videobotschaften des türkischen Mafiabosses Sedat Peker, die Ankara erbeben lassen.

Denn was Peker zu sagen hat, ist pures Dynamit – besonders wenn er von dem „sauberen Süleyman“ spricht, dem türkischen Innenminister Süleyman Soylu. In seinen Videos enthüllt Peker enge Verbindungen zwischen der türkischen Regierung und dem organisierten Verbrechen. Auch im fünften Clip, der am Sonntag verbreitet wurde, spielte der „saubere Süleyman“ eine große Rolle.

Der 49-jährige Peker ist unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vorbestraft und stand mehrmals wegen Mord, Mordversuch, Entführung und anderen Vorwürfen vor Gericht. Eine Zeit lang trat der nationalistische Mafiaboss als besonders rabiater Anhänger der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf. So drohte er öffentlich, er werde Gegner der Regierung am nächsten Baum aufhängen und in ihrem Blut baden. Da die Justiz ihn unter Verweis auf die Meinungsfreiheit gewähren ließ, war klar, dass Peker den Schutz der Regierung genoss.

Der Pate Sedat Peker belastet türkische Minister schwer.
Der Pate Sedat Peker belastet türkische Minister schwer.Foto: Getty Images

Aber damit ist es vorbei. Im Januar 2020 floh Peker überstürzt ins Ausland – kurz darauf wurde sein Rivale aus der türkischen Unterwelt, Alaattin Cakici, auf Betreiben von Erdogans rechtsnationaler Koalitionspartei MHP aus dem Gefängnis entlassen. Cakici habe seitdem Pekers Platz als staatsnaher Mafiaboss übernommen, kommentierten die Medien.

Peker soll inzwischen in Dubai leben. Von dort aus veröffentlicht er seit einem Monat über sein Twitter-Konto ein Video nach dem anderen. Die Serie begann, als die türkische Polizei in landesweiten Razzien mehrere Dutzend Mitglieder seiner Bande festnehmen ließ. Peker ärgert sich besonders über Soylu: Dieser habe ihn lange geschützt, dann aber fallen gelassen. Der Innenminister nennt Peker inzwischen eine „Ratte“.

https://www.tagesspiegel.de/politik/enthuellungen-in-der-tuerkei-erdogan-und-sein-problem-mit-dem-mafiaboss/27195816.html

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