der Film „Die glorreichen Sieben“ gilt als einer der besten Western, die je gedreht worden sind. Sieben Revolverhelden mit schnellen Händchen und großen Herzen tun sich zusammen, um ein armes Dorf zu beschützen, das von blutrünstigen Banditen heimgesucht wird. Yul Brynner, Steve McQueen, Charles Bronson, Horst Buchholz, Robert Vaughn, Brad Dexter und James Coburn brillieren als eingeschworene Gruppe, die pragmatisch Probleme löst und das Böse besiegt.

Die sieben Herren, die sich ab morgen in den bayerischen Alpen versammeln, sind alles andere als eine eingeschworene Gruppe. Helden sind sie erst recht nicht. Eher ähneln sie angeschlagenen Boxern, die etwas orientierungslos durch den Ring stolpern. Die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die horrende Inflation, eine drohende Rezession, der eskalierende Machtkampf mit China, Terroristen, Populisten und über allem auch noch das Artensterben und die Klimakrise lasten auf den Regierungschefs der G7-Staaten. Eigentlich wollen die führenden demokratischen Wirtschaftsmächte die Welt besser, gerechter und wohlhabender machen. De facto können sie noch nicht einmal mehr ihre eigenen Probleme lösen. Das liegt nicht allein an der Größe der Herausforderungen, sondern auch an den sieben handelnden Personen:

US-Präsident Joe Biden reist angeschlagen nach Bayern. Seine großen Reformen bekommt er nicht durch den US-Kongress, gestern hat auch noch das Oberste Gericht seine Politik konterkariert und in einem historischen Urteil das Recht auf Abtreibung gekippt. Seine Umfragewerte sind unterirdisch, im Herbst droht ihm eine Klatsche bei den Kongresswahlen. Dieser Mann weiß, dass er nur noch wenig Macht besitzt.

Großbritanniens Premier Boris Johnson hält sich mehr schlecht als recht auf dem Regierungssessel, seine Skandale füllen täglich die Seiten der Klatschpresse. Die Autorität dieses Mannes ist futsch, er will es nur noch nicht wahrhaben.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist zwar mit Ach und Krach wiedergewählt worden, hat aber seine absolute Parlamentsmehrheit verloren und muss so gut wie alle seine hochfliegenden Pläne fallen lassen. Der Visionär flattert mit gestutzten Flügeln.

Ministerpräsident Mario Draghi genoss in Italiens zerstrittener Parteienlandschaft lange Zeit großen Respekt, kämpft aber nun mit Dissidenten in seiner Koalition. Auch Umweltprobleme wie die Dürre in Oberitalien setzen ihm zu, und natürlich die Mafia, die sich die Milliarden aus dem Corona-Hilfsfonds der EU unter den Nagel reißen will. Ob seine Regierung noch lange hält?

Auch Kanadas Premier Justin Trudeau galt mal als Überflieger, landete aber hart auf dem Boden der Tatsachen. Die Wähler verübelten ihm eine zu früh angesetzte Wahl mitten in der Pandemie, seine Koalition hat das Land so hoch verschuldet wie zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Rückenwind bringt er nicht mit nach Bayern.

Japans Premierminister Fumio Kishida hat sich durch seine ruhige Art Respekt verschafft, kämpft aber mit einer für japanische Verhältnisse sehr hohen Inflation und fallenden Umfragewerten vor der Oberhauswahl im Juli. Mitreißende Ausstrahlung besitzt er nicht.

Auch für Bundeskanzler Olaf Scholz ist das Regieren nach zwei Landtagswahlniederlagen seiner SPD, mit einer nervösen FDP und selbstbewussten Grünen schwerer geworden. Aus seiner Zeit als Finanzminister hat er Erfahrung auf dem internationalen Parkett, aber eine von allen respektierte Autorität wie seine Vorgängerin stellt er noch nicht dar.

Was also können diese sieben Chefs wirklich bewirken, wenn sie sich auf ihrem 160 Millionen Euro teuren Gipfel versammeln? Darüber sprechen Lisa Fritsch, David Schafbuch und ich in unserem heutigen Podcast. Außerdem geht es um die EU-Perspektive für die Ukraine. Wenn Sie über die wichtigsten Weltereignisse dieses Wochenendes im Bilde sein wollen, sollten Sie hier hineinhören.

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